Redakteur Oliver Abraham war für uns mit
seinem Rad unterwegs. An dieser Stelle stellen wir Ihnen seine
kulinarischen Radtouren in verschiedenen Regionen NRWs vor. Wir
wünschen viel Spaß bei Ihrer Entdeckungstour rund um
die Spargelbetriebe des Landes. Weitere Informationen zu allen
genannten Spargel-Betrieben und natürlich zu allen weiteren
Mitgliedern der Spargelstrasse-NRW finden Sie in unserer Datenbank.
Ostwestfalen
- von Marienfeld bis Stukenbrock
Delbrücker
Spargelroute
Münsterland
- von Olfen bis nach Füchtorf
Niederrheiner
Spargelroute
Walbecker
Höfetour
Ostwestfalen
- von Marienfeld bis Stukenbrock
Ach,
was war das schön die Tage! Ein lichtes Kiefernwäldchen
mit Birken darin, Eichen säumen den Pfad. Spechte hämmern,
ein Zitronenfalter flattert durch das Sonnenlicht, Hummelsummen.
Der Weg führt an einer Pferdekoppel vorbei, Greifvögel
lassen sich von der Thermik eines schönen Frühjahrstages
treiben. Da ist sie schon, die Ems - zwanzig Schritte breit strömt
sie nahe Harsewinkel über die Steine. Pappelreihen rauschen
sanft im Wind.
Der Weg nach Marienfeld wird im Naturschutzgebiet
Boomberge von Sanddünen gesäumt, die in der letzten
Eiszeit abgelagert wurden. Unter dem lichten Kronendach der Kiefern
stehen Eichen und Birken, Eberesche und Faulbaum, Heide gedeiht
in Restbeständen und das seltene himmelblaue Sandglöckchen.
Die Radtour macht hungrig und der Hof Kuhre mit seinem gut sortierten
Hofladen ist nicht mehr weit. Bevor der Radwanderweg R1 links
nach Marienfeld abknickt, lohnen die knapp 500 Meter nach rechts
zum Hof Kuhre unbedingt: Proviant fassen.
Seit
mehr als dreißig Jahren verkaufen sie hier kulinarische
Köstlichkeiten. Herzebrocker Walnüsse füllen den
Korb, eingelegte Kürbisse und Bärlauchgurken stehen
im Regal, an der Theke machen Mettenden und Leberwurst, Knochenschinken
und Heidefrühstück - all dies nach feiner handwerklicher
Tradition - die Auswahl schwer, Brot dazu verkauft Annette Kuhre
dem hungrigen Reisenden natürlich auch. Sie steht gerade
an der Schälmaschine und legt die weißen Stangen in
das Gerät - in der Saison dreht sich hier fast alles um das
königliche Gemüse: den Spargel!
Doch nicht um den Weißen allein: Martin
Kuhre fährt raus auf das Feld. Dort sprießen in der
Frühlingssonne zaghaft erste Stängel aus der Erde -
Grünspargel. Weil er oberirdisch wächst, bekommt dieser
Spargel seine grüne Farbe, Kenner schätzen seinen herzhaften
Geschmack. Und es werden offensichtlich immer mehr, in diesem
Jahr hat Martin Kuhre ein weiteres Hektar mit Grünspargel
bepflanzt. Der wird im Hofladen in 500-Gramm-Bunden verkauft und
Annette Kuhre hat die passenden Rezepte dazu. Man kann ihn auch
braten.
Passend
mit Proviant und Ideen versorgt weiter auf der Radroute. In der
alten Abtei des Klosters Marienfeld schmeckt ein selbstgebrautes
Bier köstlich. Die Tour führt bald am Hühnermoor
vorbei. Einem kleinen verwunschenen Stück Natur, wo über
dunklem, unergründlichem Wasser Libellen sirren. Wollgras
wippt im Wind. Von der Route lohnt unbedingt ein Abstecher Richtung
Nord-Rheda, zum Hof Meloh. Vorallem, wenn das schöne
Spargelzelt geöffnet hat und zum köstlichen, abwechslungsreichen
Spargelbuffet lädt. Und das lohnt sich: Spargel, na klar,
dazu Schinken und Schnitzel, Gratin und Rührei. Ein Gläschen
Wein dazu oder ein frischgezapftes Pils? Kein Problem. Nach dem
großen Erfolg in der vergangenen Saison lädt Familie
Hollenbeck wieder ein - in das stilvoll geschmückte Zeltrestaurant.
Eine wunderschöne Eichenallee führt
dorthin, zum prachtvollen Hof Meloh im Rhedaer Norden. Manche
der Hofeichen sind sicher dreihundert Jahre alt und älter.
Wenn der Wind durch die Kronen streift und sein Lied singt, ist
das allerfeinste westfälische Bauernhofidylle. Und im Hofladen,
natürlich, alles was der Feinschmecker für ein Spargelessen
braucht. Und eine hausgemachte Konfitüre für Zuhause,
die passt auch noch ins Gepäck.
Im Nebenraum saust ein Kilo Spargel in wenigen
Augenblicken durch die Schälmaschine, im Einkaufskorb eine
Lage Schinken und ein Pfund Kartoffeln. So einfach ist das, so
köstlich! Eines möchte Rainer Hollenbeck seinem Gast
noch zeigen: die Erdbeerkultur im Gewächshaus, dank ausgeklügeltem
Versorgungssystem steht sie in voller Pracht. Und dies in Schulterhöhe
- auf dem Hof Meloh wachsen einem die Köstlichkeiten quasi
in den Mund.
Nahe
Gütersloh liegt der Spargelhof von Ulrich und Ulrike Schröder.
Er ist mit dem Bulli unterwegs zu seinen Spargelkulturen im Rhedaer
Forst. Die Sonne hat sich verzogen und der Wind frischt auf, rüttelt
an den Folien. Zeitig aber schon konnten die Männer mit dem
Stechmesser in die Kulturen ziehen.
Ulrich Schröder kontrolliert die Folientunnel,
in denen in Gewächshauswärme unter den schwarzen Folien
die ersten Stangen an die Oberfläche drücken. Vorsichtig
legt er eine Stange mit der Hand frei und sticht sie routiniert
ab. Das Loch wird mit der Kelle gewissenhaft verfüllt - so
geht sie, die Spargelernte. Erfahrene Erntehelfer schaffen rund
zwanzig Kilo pro Stunde - das entspricht knapp 400 Meter Damm.
Auch deshalb, weil die "Spargel-Spinne"
hilft - ein selbstfahrender Apparat, der die Folie anhebt und
den Leuten zumindest diese aufwändige Arbeit erspart. Mit
ihren verschiedenen Folien können die Spargelproduzenten
die Ernte ein wenig vom Wetter unabhängig steuern - schwarze
Plane absorbiert Wärme und lässt die Stangen darunter
schneller reifen. Kulturen für später sind mit weißen
Planen abgedeckt, die reflektieren und lassen dem Spargel noch
etwas Zeit.
Auf dem Hof rollen die ersten Kisten mit den weißen
Stangen durch die Dusche. Nach dieser Vorreinigung warten 240
Kilo Spargel in der Wanne mit Eiswasser auf die Weiterverarbeitung,
nach dem maschinellen Sortieren bleibt gut die Hälfte davon
für den Verkauf übrig. Wer weiß beim Kauf im Hofladen
schon, wie viel Arbeit für den Spargel nötig ist. Rund
um den Hof wachsen übrigens reihenweise Beeren - Erdbeeren,
Himbeeren, Johannisbeeren, Blaubeeren. Eine schöne Ergänzung
für den Proviantrucksack.
Durch einen lichten Laubwald geht es weiter Richtung
Verl, Wildtauben fliegen aufgeschreckt davon. Der Ölbach
rauscht an einer alten Wassermühle munter über das Wehr.
Stille Stunden im Verler Land! Im Ortsteil Österwiehe macht
sich Meister Vorbeck ans Werk. Nachts zwischen zwei und drei Uhr.
Seit Vierzig Jahren backt Josef Vorbeck in dem alten Steinbackofen
seines kleinen, feinen Handwerksbetriebes den köstlichen
Pumpernickel. Dieses saftig süße Brot ist die ideale
Unterlage für hausgemachte Wust und Schinken. Roggenschrot
und Rübensirup kommen in tiefer Nacht ins Rührwerk und
bald in den heißen Ofen. Der hält die Wärme und
der Pumpernickel gart dann hinter den schwarzen Klappen 16 bis
18 Stunden in den länglichen Aluformen. Diese kulinarische
Köstlichkeit, diese alte handwerkliche Tradition, gehört
zu Ostwestfalen unbedingt dazu. In den Geschäften in Verl
zu kaufen und Platz im Rucksack ist auch noch. Lecker!
Am alten Kirchplatz von Verl steht eine feine
Manufaktur. Nach einem guten Essen gehört im Verler Land
eines dazu: der "Schroedersche", der Boonekamp - ein
Magenbitter, produziert von Bruno Schroeder nach alter Väter
Sitte. Die schwere Holztür geht auf, der Betrieb atmet Geschichte,
es geht gemächlich zu, fast wie zu Opas Zeiten. Auch das
Abfüllen ist reine Handarbeit. In den uralten Eichenfässern
- ehemalige Weinfässer von der Mosel - steht der Bitter und
kommt zur Ruhe. Reift heran, der unnachahmliche Geschmack rundet
sich ab. Zeit ist genug. Geheimnisvolle Zutaten: Süßholz,
Galgant, Zittwerwurzel, Aloe - 34 Kräuter, Früchte und
Gewürze gehören hinein. Das alte Geheimrezept lagert
sicher im Tresor. Seit mehr als 150 Jahren gehört hier das
"Verler Heimatwasser" gewiss dazu - probieren Sie ihn!
In
Verl-Sende ist Willi Große Wächter auf dem Feld
unterwegs. Und zwar langsam. Ganz, ganz langsam. Er steuert den
grünen Traktor mit atemberaubenden Nullkommafünf Stundenkilometern
über die neu anzulegende Spargelkultur. Hinter der Zugmaschine
hängt die Pflanzmaschine. Sie pflügt einen Graben, zwei
Mitarbeiter sitzen auf dem Gerät, vor sich die Kisten mit
den Jungpflanzen, sie legen die Pflanzen auf einen Mechanismus.
Der legt die Spargelpflanzen - vier pro Meter - in den Graben,
danach wird automatisch Boden aufgetragen und sanft angedrückt.
Nur eben sehr, sehr langsam.
In der Fahrerkabine läuft das Radio, der
Wetterbericht, der ist ihm besonders wichtig. Der Trecker fährt
den Acker rauf, den Acker runter. Und das zwingend genau geradeaus.
24 000 Pflanzen pro Hektar, dies heißt Arbeit bis Sonnenuntergang,
und morgen ganz früh gleich wieder. Und dann muss er sich
Gedanken machen, wie er die ersten Triebe vor gefräßigen
Konkurrenten schützt - denn die Kaninchen die mögen
das. Im Hofladen stehen schon die ersten Kisten mit den köstlichen
Stangen. Neben dem Hofladen beliefert Willi Große Wächter
auch Gasthäuser im Umland mit Spargel. Eines davon wird bald
erreicht sein. Vorfreude!
Entlang des Ölbachs geht es durch den Holter
Wald. Ein schöner Wald, mit altem Bestand. Hier darf der
Bach fließen, wie er will, kurvt munter durch den Sand der
Senne. Das Hämmern der Spechte ist zu hören. Der Wind
kämmt die Kronen der Buchen und Eichen. Eisvögel sogar
leben an diesem naturnahen Bach - dieser "fliegende Edelstein"
zischt mit durchdringendem Pfiff gleich blau wie ein Blitz über
das Wasser, wie die Leute vom Naturschutz berichten. Glücklich
schätzt sich, wer dies erleben darf! Die verlassenen Spechthöhlen
in den Altholzbeständen nutzen andere Vögel - der Waldkauz
beispielsweise oder Fledermäuse. Biotopvielfalt im Holter
Wald, Heimat von bedrohten Arten. Die Sonne zaubert Lichtspiele
in den Wald und wieder hämmert in der Ferne ein Specht. Und
ob die "Tausendjährige Eiche" tatsächlich
so alt ist, darüber darf spekuliert werden.
Nach schöner und stiller Radtour durch Wald
und Wiese, Feld und Flur wird schließlich Hövelhof-Riege
erreicht. Hier wirkt Franz Spieker im gleichnamigen Gasthaus.
Unbedingte Empfehlung: Einkehren! Der Küchenchef ist für
außergewöhnlich gute Gerichte bekannt. Selbstverständlich
gehört in der Saison Spargel aus der Region dazu. Franz Spieker
legt Wert auf regionale Produkte - so kommt sein Spargel aus eben
aus dem nahen Verl-Sende, von Große Wächter. Der Spargel
aus der Senne, fein, mild und mit leichter Süße. Auf
der Karte natürlich der Klassiker mit Kartoffeln und Schinken.
Er verrät aber auch außergewöhnliche Rezepte:
Zum Beispiel in einer Himbeer-Vinaigrette marinierten Spargel
mit Erdbeeren oder Risotto mit Spargel und roh mariniertem Lachs.
Und nach einem gutem Essen, ein Schluck "Verler Heimatwasser".
Köst-Lich! Wer mag kann bleiben, das Gasthaus Spieker hat
auch schöne Gästezimmer.
In
Stukenbrock gibt es den Spargel- und Erdbeerhof von Peter Aschof.
Zehn Hektar Kultur bewirtschaftet er mit dem königlichen
Gemüse. Die Saison beginnt und auch im Hofladen von Gaby
Aschof gibt es viel zu tun. In den Regalen in der alten Deele
stehen selbstgemachte Marmeladen, in der Theke Mettwurst und Schinken,
Kundschaft holt sich Kartoffeln und das Schild. Ach, und das Schild
muss an die Straße - jetzt geht es los!
Die karge Senne zeichnet vor allem der leichte
Sandboden aus. Das ist für den Anbau von Spargel von erheblichem
Vorteil. Dieser Boden, mit fast weißen Sand, erwärmt
sich schnell. Und je schneller der Spargel ob der Wärme darin
wachsen kann, desto zarter wird er schließlich. Hier im
Bereich der Trockensenne optimale Vorrausetzung, auch wegen des
nahen Grundwasserhorizontes. Der Wind frischt auf, Planen gleißen
in der Sonne. Peter Aschof muss wieder los - es gibt viel zu tun.
Es ist Spargelsaison in der Senne! Und die Leute warten schon.
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Infos SPARGELTOUR OSTWESTFALEN
Diese Skizze dient der groben Orientierung und
kann kein ordentliches Kartenmaterial und eigene Tourplanung ersetzen.
Ideal ist eine Radwanderkarte im Maßstab 1:50.000. Gute
Karten zeigen lokale Radwegenetze, mit denen beide beschriebene
Touren in einer gemütlichen Tagesetappe, zum Beispiel von
Hövelhof-Riege, verbunden werden können - als Alternative
zum Endpunkt Detmold
Anreise über den Bahnhof in Beelen (rund
8 Kilometer bis Greffen zum R1) oder über Warendorf (rund
10 Kilometer bis Greffen). Bis auf kleine Abstecher zu den beschriebenen
Höfen folgt diese Route dem ausgeschilderten Radwanderweg
R1. Über Harsewinkel nach Marienfeld, vor Marienfeld an der
L927 Straße den R1 rechts zum Hof Kuhre kurz verlassen.
Auf dem R1 über Marienfeld Richtung Gütersloh.
Um den Hof Meloh zu besuchen, an der L788 rechts
bis zur Emssiedlung fahren. Dort links abbiegen, dem Weg folgen,
an einer Weggabelung rechts halten. Bald wird eine T-Kreuzung
erreicht, dort rechts abbiegen. Diesem Weg über die Ems und
der Umgehungsstraße (Brücke) bis zur L927 folgen. Dort
links Richtung Hof Meloh (rund einen Kilometer). Insgesamt vom
R1 zum Hof Meloh knapp sieben Kilometer. Gleiche Strecke zurück
Richtung Gütersloh.
Wer in Gütersloh übernachten möchte,
verlässt den R1 unmittelbar hinter dem Dalkebach (vor dem
Klärwerk) und folgt einem anderen Radweg nach links in die
Stadt (rund 3 Kilometer). Der Hof Schröder liegt auf der
weiteren Route des R1 rund vierhundert Meter abseits des R1, an
einem Abzweig auf der Kiebitzstraße bleiben und unter der
Bahnüberführung hindurch fahren.
Dem R1 bis nach Verl folgen. Der Hof Große
Wächter liegt im Ortsteil Sende, dazu dem Radweg an der L787
folgen (rund 3,5 Kilometer), der R1 knickt kurz hinter Verl am
Ölbach ab. Ansonsten den R1 durch den Holter Wald und über
Hövelhof-Riege folgen. Der Hof Aschof liegt rund drei Kilometer
abseits der Route, dazu an der großen Straße L756
links Richtung Stukenbrock halten. Der R1 führt über
Augustdorf weiter nach Detmold (Bahnhof), ins Lipperland mit seinen
Attraktionen wie Externsteine, Hermannsdenkmal oder Adlerwarte
Berlebeck.
Greffen bis Gütersloh Abzweig rund 30 Kilometer.
Gütersloh Abzweig bis Verl rund 27 Kilometer.
Verl bis Detmold rund 45 Kilometer.
(alle Angaben für den R1, ohne Abstecher)
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Delbrücker Spargelroute
Der schiefe Turm von Delbrück, markantes
Zeichen der Stadt im Paderborner Land. Stolze 65 Meter hoch und
zwei Meter gegen den Wind geneigt, der Kirchturm von St. Johannes
Baptist und von jeher Wegweiser in die Stadt. Doch hier und heute
geht es hinaus, zu Pionieren. Die "Delbrücker Spargelroute"
führt auf angenehm zu radelnden 32 Kilometern Rundkurs hin
zu denen, die Delbrück mit einer Spezialität weithin
bekannt gemacht haben - zu den Spargelproduzenten.
Einer
von ihnen ist nach wenigen Minuten erreicht. Hans-Josef Brautmeier
führt durch den Betrieb. Familie Brautmeier gilt als Pionier
in Sachen Spargel, hier im Delbrücker Land. Aber eigentlich
fing alles noch ein bisschen früher an. Im Garten von Landarzt
Schmidtmann, vor rund 50 Jahren. Der probierte in seinem Garten,
ob´s was mit dem königlichen Gemüse werden könnte.
Wurde was. Dauerte aber noch. Brautmeiers schließlich wagten
in den 70er-Jahren den gewerblichen Anbau, 50 Hektar bewirtschaftet
Hans-Josef Brautmeier heute mit Spargel. Angefangen mit
einer kleinen Ecke neben den Erdbeerfeldern.
Der Boden im Delbrücker Land, der erwies
sich bald als ideal für den Anbau. Sandig, mineralische Zusammensetzung
passt, und der Grundwasserhorizont ideal. Inzwischen kommen im
gesamten Delbrücker Raum rund 350 Tonnen Spargel pro Jahr
in den Verkauf. Die Sortier- und Schälmaschinen laufen in
der Saison beinah unablässig. Die Schälmaschine, sagt
Hans-Josef Brautmeier, schaffe 6000 Stangen pro Stunde, sechs
Messer, zwölf Schnitte, rasend schnell. Kistenweise Stangen,
geerntet von hundert Helfern. Etablierte Routine. Und Hans-Josef
Brautmeier ist längst wieder Pionier. Auch außerhalb
der Saison gibt es hier frischen Spargel, der kommt per Luftfracht.
Der kommt aus Ägypten. Produziert vom Kooperationspartner
nach Brautmeiers Vorgaben im Nildelta. Schmeckt köstlich.
Auch nach Johannis-Tag.
Die Fahrt geht Richtung Boker Kanal. Und was dahinten
aus der Ferne wie ein großer See aussieht, ist bei näherem
Hinsehen eine Spargelkultur, deren Folien in der Sonne gleißen.
Pappeln rauschen leise im Frühjahrswind. In der Abgeschiedenheit
des Delbrücker Landes fliegen die Kilometer leicht dahin.
Kleines Zahlenspiel am Rande: Auf einem Hektar Spargelkultur stehen
sechs Kilometer Damm, das macht allein für den Betrieb Brautmeier
300 Kilometer. Pro geradeltem Kilometer auf der Delbrücker
Spargelroute also fast zehn Kilometer Damm, in denen die leckeren
Stangen jetzt heranreifen - allein bei Brautmeiers.
Alois Grewing geht durch die Reihen. Unter
der durchsichtigen Folie ist gut zu erkennen, wo der Spargel nach
oben drückt - an der kleinen Aufwölbung im Sanddamm.
Routiniert legt der Landwirt die Stange frei und sticht sie ab.
Eine. Wie viel intensive Arbeit Spargel heißt, ahnt der
Kunde kaum. In der Saison heißt das, Schaffen rund um die
Uhr. Der Ostwind frischt empfindlich kühl auf. Fühlen
Sie mal! Und tatsächlich, dort wo eben noch der Spargel wuchs
ist der Sanddamm warm wie eine winterliche Wohnstube. In der Scheune
zeigt er noch schnell die Jungpflanzen, die bald in die Erde kommen.
25 schlauchartige Wurzel baumeln daran, zu verlegen von einem
sonderbaren Gerät, in unglaublicher Langsamkeit ganz bald.
Spargel, sagt er, das ist Arbeit das ganze Jahr.
Und um sein Restaurantzelt muss er sich auch noch
kümmern. Es steht schon neben dem Hof, die Tische werden
mit Kerzen und Blumen liebevoll dekoriert, der Blick nach draußen
schweift über den alten Obstgarten und die Spargelkulturen.
Freitags und Samstags (Buffet ab 18 Uhr) sowie Sonn- und Feiertags
ab 11 Uhr á la carte heißt das bei Grewings: Spargelessen,
satt und zum reellen Preise - mit Schnitzel und Schweinefilet,
mit Schinken und Rührei, dazu ein schöner Wein und frischgezapftes
Pils. Für das Spargelschlemmerzelt kann eine Reservierung
gewiss nicht schaden, und für Gruppen ab 15 Personen öffnet
Familie Grewing (0 29 48 - 2 90 16) gern nach Absprache. Freie
Zeit, für einen Spargelproduzenten dieser Tage eine Rarität.
Vorbei an Pappeln und Eichen, munteres Vogelgezwitscher
und des Windes Lied in den Kronen der Bäume. Der Boker Kanal
- eine historische Bewässerungsanlage, die Wasser von der
Lippe abzwackt - wird gequert und der Hof von Familie Lohrmeier
erreicht. Juniorchef Frank Lohrmeier betritt in dieser
Saison Neuland. Nach seiner Umschulung vom Industriemechaniker
zum Gärtner führt der 35-Jährige nun die Geschicke
in Sachen Spargel. Auf dem Feld fährt der Traktor samt angehängter
Pflanzmaschine sehr langsam seine Runden, seit 20 Jahren bauen
Lohrmeiers Spargel an, jetzt kommt wieder eine Kultur dazu.
Auch der kleine Hofladen muss eingeräumt
werden. In der Kühlung stehen schon die ersten Kisten mit
dem Spargel. Das Wasserbecken für die Schnellkühlung
ist bereits auf eisige Temperaturen heruntergekühlt. Keine
Frage, es geht los. Für Frank Lohrmeier, auch dies keine
Frage, eine spannende Sache. Und dass er die neue Kultur wohl
vor Fraßfeinden schützen muss, ist auch klar. Die -
Rehe - standen kürzlich in sicherer Entfernung auf einem
anderen Feld und schauten dem Radler hinterher.
Kapellen
und Bildstöcke zeigen an vielen Orten auf der Radroute, wie
tief der Glaube im Delbrücker Land verwurzelt ist. Über
ruhige Weg geht es weiter nach Norden, bevor die Route Richtung
Westenholz abknickt, lohnt ein Abstecher zum Hof Milsmann.
Der liegt zwar nicht an der "Delbrücker Spargelroute",
sondern in Rietberg-Mastholte, lohnt die Anfahrt aber unbedingt,
weil schnell und einfach erreichbar. Und vor allem dann, wenn
sich der Radler noch nicht mit Proviant oder Köstlichkeiten
für das heimische Spargelessen versorgt hat.
Dazu an der Kreuzung Wiebelerstraße (Route)/Wulfhorsterstraße
die Wulfhorster (K40) einen knappen Kilometer nach links (Nordwest)
fahren, am Landgasthaus "Roseneck" - mit Biergarten
und Restaurant - links in die Haselhorsterstraße einbiegen,
nach rund 1,7 Kilometer liegt der Hof Milsmann auf der rechten
Seite. Auch hier laufen die Vorbereitungen zur Spargelsaison auf
Hochtouren. Wilfried Milsmann ist in der Scheune mit Arbeiten
an der Sortiermaschine beschäftigt. Ursula Milsmann schließt
den feinen Hofladen auf - und dem Genießer läuft das
Wasser im Mund zusammen. Schinken und Schmalz, Mettwurst und Marmeladen
- alles nach feiner handwerklicher Tradition - , Brot, selbst
eingelegte Gurken, feine Weine, Erdbeeren. Neben dem Spargel,
gibt es hier alles, was zu einem perfekten Spargelessen dazu gehört.
Und für den Rückweg nach Delbrück
kann hier ordentlich richtig gut und umfassend Proviant gefasst
werden. Zurück auf der "Delbrück Spargelroute"
geht es über Westenholz zurück in die Stadt mit dem
schiefen Kirchturm. Ein herrlicher Sonntagnachmittag neigt sich
dem Ende zu, leider. Es ist eine schöne Tour, eine ruhige.
Durch Feld und Flur, vorbei an Fachwerk und Pferden, die gerade
wie wild über ihre Koppel rasen. Kopfweiden stehen in der
Ferne in Reih und Glied, in einem liebevoll gepflegten Bauerngarten
blühen bunte Blumen. Zu hören ist nur das Rauschen des
Windes in den Kronen der mächtigen Eichen. So ist es, das
Delbrücker Land, eine stille Schönheit. Und voller Köstlichkeiten.
Und ganz bald, da vorn, da ist schon - der schiefe Turm von Delbrück.
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Infos DELBRÜCKER
SPARGELROUTE
Es ist ein rund 32 Kilometer langer Rundkurs,
der idealer Weise auf dem Wiemenkamp im Zentrum von Delbrück
beginnt. Er ist in beiden Richtungen vorbildlich ausgeschildert.
Der Hof Milsmann liegt nahe der Route auf Rietberger Gebiet (Anfahrtsbeschreibung
im Text), die Höfe Grewing und Lohrmeier liegen direkt an
der Route. Der Hof Brautmeier wird erreicht, wenn an der Stelle
wo die Route die Straße "Knochenhorst" auf den
Wiesenweg verlässt dort geradeaus in die Straße "Am
Bauhof" gefahren wird (ein kurzes Stück mit 90 Grad
Kurve). Die im Text beschriebene Tour verläuft zu erst in
südliche, dann in westliche Richtung - und über Westenholz
zurück nach Delbrück.
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Münsterland
Das Münsterland ist Radlers Paradies! Auf
stillen Pättkes vorbei an stattlichen Bauernhöfen und
durch beschauliche Dörfer, viel Natur in der herrlichen Parklandschaft.
Und die Wasserschlösser, beeindruckend und wunderschön
und so viele davon! Stille und schöne Tage auf dem Lande
also. Und noch eines: Landleben mit allen Sinnen genießen
- kommen Sie mit unserem Journalisten Oliver Abraham auf die Spur
des Spargels.
Auen,
Schlösser und viel Genuss
Still liegt die Stever. Dunkles Wasser und sattgrüne
Aue. In der Ferne stehen urtümliche Rinder, Wildpferde grasen
auf der saftigen Naturweide. Der Wind frischt auf, kräuselt
das Wasser des kleinen Flusses Stever und summt in den Kronen
der Bäume die Melodie eines schönen Tages im Spätfrühling.
Weiße Wolken schweben vorüber und die Fahrradreifen
greifen in den Sand. Ein Pättken führt hoch zum Hof,
auf einer Anhöhe über der Steveraue steht das stattliche,
alte Bauernhaus unter mächtigen Eichen. Ein Storchenpaar
fliegt vorüber. Willkommen im Münsterland.
Mittagstunde.
Genau der richtige Zeitpunkt für die Anfahrt auf den Hof
Schulze Kökelsum bei Olfen. Spargel bauen sie an, Erdbeeren
auch, und haben auch ein Hofcafé samt wohl sortiertem Laden.
Das schwer bepackte Fahrrad an die Wand gelehnt und mit Vorfreude
auf kulinarische Köstlichkeiten ins Café. Heller Holzfußboden,
rote Backsteinwand und auf dem Tisch steht rasch eine Terrine
leckerer Spargelcreme-Suppe, altes Familienrezept von Maria Schulze
Kökelsum. DAS ist der perfekte Einstieg, um auf der Spur
des Spargels zu radeln. Landleben also, und dies mit allen Sinnen
auskosten.
Durch
den Hofladen zieht das köstliche Aroma von frisch gebackenem
Brot. "Das Backen wir jeden Tag in unserem Steinofen selbst",
sagt Maria Schulze Kökelsum. Es steht noch Strecke an und
Proviantierung tut Not, besser, echter, als im Hofladen geht es
wohl kaum. Also: ein paar luftgetrocknete Münsterländer
Mettwürste und etwas von dem herrlichen Brot passt noch in
den Rucksack. Für ein Bier im gemütlichen Garten ist
es leider noch zu früh. Maria Schulze Kökelsum verschwindet
in der Küche, "Storchentorte" backen. Und der Radler
tritt in die Pedalen.
Schnell ist das bekannte Schild mit dem grünen
Torbogen auf weißem Grund wieder gefunden - unterwegs auf
der "100 Schlösser Route", tiefer hinein in das
Münsterland. Auf perfekter Patt nach Norden, leicht hügeliges
Land, durch Feld und Flur, wogende Getreidefelder, Klatschmohn
verblüht in verschwenderischem Rot am Wegesrand. Eine Kastanienallee
bewacht Radlers Route auf dem Weg nach Lüdinghausen, irgendwo
schreit ein Hahn, dahinten stehen Pferde. Ach, Westfalenland.
In
Lüdinghausen stehen zwei Stopps auf dem Plan: Die prachtvolle
Wasserburg Vischering - und der Hofladen von Agnes Böcker,
gelegen auf dem Gut Forstmannshof an der B58 nach Ascheberg raus.
Hof, Ambiente, Gesamtgefüge - wunderschön! Agnes Böcker
serviert Erdbeeren mit Quark und Zimt und Ehemann Eberhard erzählt,
wie es anfing mit dem Spargel. Denn rund um das Gut gleißen
weiße Planen in der Sonne und das Gemüse reift jetzt
rasch tonnenweise heran. 1991 fuhren sie die erste Ernte ein,
mit gerade mal einem Hektar fing es an, der Verkauf wurde aus
der Garage organisiert. Spargel, das hatten sie auf dem Forstmannshof
noch nicht. Dabei ist der Boden rund um den Forstmannshof bestens
geeignet, sandig, humos, viele Mineralstoffe, tiefer Wasserstand
- und deshalb war der Versuch mit dem Spargel auch ein großer
Erfolg.
Und
aus dem Garagenverkauf wurde ein Hofladen mit 250 m² Verkaufsfläche,
der im besten Wortsinn ausgezeichnet ist. In der Saison natürlich
Spargel. Neben sämtlichen regionalen Spezialitäten -
Schinken, Wurst, Käse - auch Erdbeeren und Himbeeren und
Produkte daraus. Denn mit dem Anbau von Beeren hat es bei Böckers
auch ganz gut geklappt. Und noch eins: Kornbrannt. Der gehört
zum Münsterland wie der Schinken und der Spargel. Und was
sie hier aus dem klaren Schnaps machen, ist wie bei den Schotten
und dem Whisky - Faßausbau. Lange Jahre Reifezeit im Eichenfass
verleihen dem klaren Destillat einen hervorragenden, milden Geschmack
und ein köstliches Aroma. Der Rucksack füllt sich.
Kurze
Rast auf dem Weg nach Senden, am Ufer der Stever die Schale mit
den frischen Erdbeeren leer futtern. Der Hof Grothues-Potthoff
hat ein schönes Café und weil Kaffeestunde ist, steht
bald ein köstliches Stück Erdbeerkuchen auf dem Tisch.
Spezialität des 800jährigen Hofes aber ist der Spargel.
Josef Grothues schiebt die gelbe Schiebetür zur Seite, in
der Kühlhalle ist es mit 2° erfrischend, zentnerweise
lagert der Spargel in den blauen Kisten. Stille Betriebsamkeit,
heute gestochen, morgen auf dem Markt. Aber nach Johanni ist Schluss,
dann nämlich, sagt der Chef, brauchen die Wurzeln Zeit, sich
im schwarzen und humosen Sandboden zu erholen. Tanken Kraft für
die nächste Saison.
Durch einen verwunschenen Wald windet sich das
Pättken nach Nottuln. Zu Westfalen allgemein und zum Spargelessen
im Besonderen gehört vor allem eins: echter westfälischer
Knochenschinken. Wenn Du richtig leckeren Schinken willst, dann
fahr zu Waltering nach Nottuln, hieß es unterwegs. Fleischermeister
Stefan Waltering hat seinen Beruf dieser Köstlichkeit verschrieben,
ist zu dessen Berufung geworden. Er bietet eine hauchdünne
Scheibe zum Probieren an. Absolut lecker ist das, was bis zu einem
Jahr in den Reiferäumen zur kulinarischen Spitzenklasse heranreift.
Ausgesuchte Stücke vom Schwein, Einsalzen und dann viel Ruhe
- so wird aus Fleisch ein echter Schinken. Wie genau das geht,
bleibt lang gehütetes Familiengeheimnis. Aber dieser feine
nussige Geschmack, Herr Waltering, wie kommt der Zustande? Es
läge, verrät er, am Knochen, der bis ganz zum Schluss
im Schinken bleibt und ihm dieses unnachahmliche Aroma verleiht.
Also wenigstens doch ein kleines Geheimnis gelüftet.
Stefan
Waltering legt großen Wert auf reine Handarbeit. Auch das
Einsalzen geschieht wie seit alters her, dauert mehrere Wochen
- so zieht es tief in das Fleisch ein. Salzen und Waschen und
nun die Reifezeit, viel, viel Ruhe braucht das gute Stück
jetzt, um ein echter Westfälischer Knochenschinken zu werden.
"Den Rest regelt jetzt die Zeit, sonst gar nichts!",
sagt er. Nicht ganz, noch ein kleines Geheimnis: Unterschiedliche
Luftfeuchtigkeit und Temperatur sei wichtig, erklärt der
Meister, der Schinken müsse atmen. Er fühlt über
Monate die Schinken, riecht an ihnen. Und irgendwann weiß
er, wann der richtige Zeitpunkt zum Anschnitt gekommen ist.
Und nur absolutes handwerkliches Können und
Wissen, das über Generationen weitergereicht wird, führt
schließlich zum Spitzenprodukt. "Am Ende seiner Zeitreise
hat der westfälische Knochenschinken mehr als die Hälfte
seines Ausgangsgewichtes verloren", erklärt der Fachmann.
Und dabei so sehr an Aroma gewonnen. Die Westfalen, die wissen
halt, wie´s geht! Früher, als in Westfalen der Himmel
wirklich noch voller Wurst und Schinken hing - beziehungsweise
am Kamin - fiel der traditionelle Schinkenanschnitt meist in den
Mai. Also in die Spargelzeit - und das Spitzenduo war geboren!
Kurz vor Billerbeck stehen turmhohe Pappeln, in
deren Kronen der Wind sein ewiges Lied singt. Auf irgendeinem
Hof kräht der Hahn, der Hund antwortet. Pferde stehen auf
der Koppel und schauen dem Radler hinterher. Hinter dem Ort stehen
Obstbäume Spalier, auf denen köstliche Äpfel heranreifen,
doch so weit ist es noch nicht. Jetzt ist Erdbeerzeit. Und der
nächste Hofladen hat bestimmt was Schönes.
Reger
Betrieb im Hofladen auf dem Beerlager Spargelhof Heilers-Lülf,
kistenweise königliches Gemüse, glänzend weiß.
Eine Broschüre mit den Lieblingsrezepten gibt Anregung für´s
Zaubern in der heimischen Küche. Ferdinand Lülf führt
in den Sortierbetrieb. Spargel wird in unterschiedlichen Sortierungen
angeboten, erste Sorte 1A, 16 bis 24 Millimeter im Durchmesser,
reinweiß und mit geschlossenem Kopf - dies ist das Beste,
was sie haben. Wer aber sortiert 12 Hektar Spargel in die Kisten
der Kategorien? Eine sonderbare Maschine macht das! Nach der Wäsche
und dem Eisbad verschwinden die Stangen in einem Aperrat, dessen
Herzstück eine Kamera ist.
Das Ding misst Dicke und Krümmung und zählt
- und sortiert dann automatisch. Früher hat die ganze Familie
von Hand sortiert, erzählt der Agrar-Ingenieur. Seine Diplom-Arbeit
handelte natürlich von - Spargel. Zur der Zeit, als Spargel
noch nicht in aller Munde und nur etwas für Leute mit dicker
Geldbörse war, wurde Ferdinand Lülf einst neugierig.
Die Zeiten haben sich glücklicherweise geändert, Neugier
und Innovation der Erzeuger sei Dank. Die Stangen sausen über
das Förderband und kommen in die Kisten. Im Kühlraum
zeigt er noch was: kleine Spargelköpfchen, einfach so zum
Essen. Probieren Sie mal! Lecker, schmecken wie junge Erbsen.
Und lassen sich prima einfrieren.
Zwölf
Uhr ist durch. Das Historische Brauhaus Klute, davon hat man schon
gehört, das bietet sich perfekt zur Rast an. Es ist nicht
weit weg, es kombiniert Spargel, Schinken mit einem selbstgebrauten
Super-Bier - und es ist richtig, richtig gut. Das Frischgezapfte
steht als erstes auf dem Tisch und bald schon kommt der große
Teller. Über die Tische spannt sich ein makelloser Himmel
und die Sachen schmecken so gut, dass man kaum mehr weiter mag.
Muss aber sein. Und im Rucksack ist doch noch Platz für eine
Flasche von diesem köstlichen Bier.
Rauf und runter, links und rechts, rauf und runter
- hinter Havixbeck windet sich das Pättken durch einen schönen
Laubwald, begleitet einen Bach. Schöne Natur und das Grün
der mächtigen Buchen leuchtet in Licht. Vogelrufe hallen
durch den Wald und bald taucht versteckt hinter Linden das Wasserschloss
Burg Hülshoff auf. Das Rad muss am Eingang abgestellt werden,
der Park mit seinen prächtigen Bäumen lädt zum
Spazieren - im Schatten von Eiche und Walnussbaum, unter Mammutbaum
und Tulpenbaum lässt es sich herrlich bummeln. Zu Kaffee
und Kuchen in den Schlosshof, und ein Museum erinnert an das Wirken
und Leben der großen Literatin.
Schnell ist Münster erreicht, hier lässt
sich mehr als ein Tag verbringen. Doch des Radlers Route folgt
dem Schild mit dem Torbogen darauf östlich aus der Stadt
und biegt an der Pleistermühle, an der Werse nach Norden
ab. Unterwegs Rast in einem Biergarten mit Deck direkt am Wasser.
Die Werse dunkelt unergründlich grün, Frösche quaken,
Vogelgezwitscher. Die Äste hängen bis in das stille
Wasser, dschungelartig, Kanuten ziehen vorüber. Später
kurvt der Feldweg durch Getreidefelder, über Kopfsteinpflaster
vorbei an einer alten Mühle. Oben auf dem Hügel steht
ein altes Gasthaus unter gewaltigen Bäumen. Von der Hochbrücke
kurz vor Gelmer ein Blick auf den Fluss hinab - Baumstämme
liegen darin, Fische blinken, Strudel strudeln. Und dahinten blinken
Folien auf dem Feld und erinnern an leckeres Essen:
Die
Spargelscheune ist voll. Auf den liebevoll dekorierten Tischen
stehen die soliden Spargelportionen dampfend vor den Gästen.
In der Saison räumt Familie Lütke-Laxen im Münsteraner
Ortsteil Gelmer die Scheune leer und serviert an den Wochenenden
Spargel vom eigenen Hof - zum satt essen, zum reellen Preis. Die
Fahrradständer und der Parkplatz sind schon am späten
Vormittag voll, sehr beliebt diese schöne Spargelscheune.
Aber auch der einzelne Radler findet seinen Platz und holt sich
sein verdientes Gericht. Gruppen ab 20 Personen können nach
Anmeldung auch in der Woche genießen.
Heike
und Burkhard Lütke-Laxen haben alle Hände voll zu tun
und zeigen doch schnell den Betrieb und die Felder, auf denen
der Spargel unter den Folien heranreift. Dreißig Zentimeter
tief stecken die Stangen im Damm und dort, wo die Erde kleine
Risse zeigt setzen die Erntehelfer das Stechmesser an. Schnell
ins Wasserbad, sortiert und frisch in den Hofladen. Oder auf den
Tisch. Lecker. Und nach dem Essen lohnt ein Ausflug in die nahen
Rieselfelder. Ein Vogelparadies, gleich hinter dem Kanal. Und
für Gruppen organisieren sie auch einen Ausflug dorthin.
Eine Vorführung der Spargelernte ist nach Absprache ebenfalls
möglich.
Bald ist die Ems überquert und die Route
führt auf stillen Pfaden durchs´s Land nach Ostbevern.
Zuchtfirmen in Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland
produzieren die Spargelsaat, erklärt Elmar Möllenbeck,
die Vermehrer ziehen Jungpflanzen. Und die pflanzt er dann auf
seinen Feldern an. Seit den 90er Jahren ist auch der Habichtshof
nahe Ostbevern groß im Spargelgeschäft, aus dem anfänglichen,
vorsichtigeren einen Hektar sind inzwischen 18 geworden. Als der
Spargelanbau anlief, haben sie aus der alten Scheune ein Café
gemacht. Auf der Karte - natürlich - das Edelgemüse
vom eigenen Hof. Mit Schinken, Rührei und Kartoffeln oder
als köstlicher kalter Spargelsalat, den Nicola Möllenbeck
draußen unter alten Apfelbäumen serviert. Stockrosen
ranken an den alten Ziegelsteinen, Vögel zwitschern und der
Wind rauscht in den Kronen der mächtigen Bäume. Ein
herrlicher Tag, köstlich!
Wieder auf der Strecke und mitunter völlig
allein, es sind stille Tage im Münsterland, aber keine einsamen.
Das Fahren mit dem voll gepackten Rad - und dem auf jeden Hofladen
immer wieder aufgefüllten Rucksack - ist autarkes Vorwärtskommen,
absolute Freiheit, und von morgens bis abends ein tolles Gefühl.
Der Wind spielt mit und schiebt, Greifvögel lassen sich von
der Thermik hoch und höher tragen. Wie jeden Tag ist immer
ein schöner Platz für die Rast gefunden, auf Baumstämmen,
Bänken oder einfach so im Gras. Windrauschen und empörtes
Fasanengetöse und die Sonne scheint.
Füchtorf,
ein großer Name in Sachen Spargel, rund um den Ort gleißen
die Planen in der Sonne. Der Standort ist wichtig für Qualität
und Geschmack des Spargel, Füchtorf hat da eindeutig Pluspunkte:
grobkörnigen Sand, gut verteilte Niederschläge wegen
der Stauwetterlage am nahen Teutoburger Wald. Muss halt nur noch
die Temperatur mitspielen, je wärmer es ist, desto schneller
steigt die Bodentemperatur an - optimal wächst Spargel rund
zweieinhalb Zentimeter am Tag. Denn wenn er schön schnell
wachse, bilde der Spross weniger Lignin aus - dies macht den Spargel
zarter, süßer. Interessante Informationen auf dem Spargelhof
Kreienbaum, Inhaber Willy Kreienbaum ist übrigens als einer
der ganz wenigen Spargelanbauberater weltweit im Einsatz - in
Kambodscha zum Beispiel oder in Südafrika.
Der Wind frischt auf und lässt die Pappeln
rauschen. Wieder stehen Erntekolonnen auf einem fernen Feld, holen
pro Saison pro Meter dreißig Stangen aus dem Sanddamm. Das
Stechen übrigens erfordert Können und Erfahrung, wer
rumstochert macht die Pflanzen kaputt. Und Spargelanbau ist kein
schnelles Geschäft: Vom Stecknadelkopfgroßen Saatgut
bis zum ersten Anstich vergehen vier Jahre mit viel Arbeit. Wer
denkt schon daran, wenn er kilometerlang an den Sanddämmen
entlang radelt in denen verborgen das Edelgemüse heranwächst.
Mut und Können der Münsterländer Landwirte haben
aus dem einstigen Reiche-Leute-Essen einen Genuss für Jedermann
gemacht.
Tour-Infos:
Die gesamte Tour ist angelehnt an die 100-Schlösser-Route
OLFEN - Lüdinghausen - SENDEN (ca. 34 Km)
Burg Vischering
Einkehr: unter anderem Schulze Kökelsum (nahe Olfen)
und Grothues-Potthoff (nahe Senden)
Hofladen s.o. und Gut Forstmannshof (nahe Lüdinghausen)
Anreise über den Bahnhof in Selm, von dort
auf der Route nach Westen Richtung Olfen. Der "Kökelsumer
Bauernladen & Café" liegt nordwestlich des Ortes
(Kökelsum 2). Dann der Route nach Norden Richtung Lüdinghausen
folgen. Das Gut Forstmannshof liegt an der B58 Richtung Ascheberg
(Westrup 10). Dann an der Burg Vischering vorbei nach Norden Richtung
Senden. Zum Hof Grothues-Potthoff den Kanal nach Osten folgen,
unter der Straßenbrücke durch, an der ersten Brücke
links hoch zur großen Straße K4.
SENDEN - Nottuln - BILLERBECK (ca. 32 Km)
Kolvenburg
Exkurs: Schinken (Fa. Waltering in Nottuln)
Einkehr: unter anderem in Billerbeck
Von Senden der Route nach Nordwesten folgen, an
Appelhülsen vorbei nach Nottuln. Firma Waltering liegt an
der Siemensstraße östlich der Appelhülsener Straße.
Dann der Route nach Norden Richtung Billerbeck folgen.
BILLERBECK - Havixbeck - MÜNSTER (ca. 37 Km)
Burg Hülshoff
Haus Rüschhaus
Hofladen: Heilers-Lülf (östl. von Billerbeck)
Einkehr: unter anderem Brauereigasthaus Klute (nahe Havixbeck)
- Spargel, Bier und Schinken!
und/oder Burg Hülshoff
Billerbeck in östliche Richtung verlassen.
Nach einiger Zeit knickt die Route scharf nach Norden ab und folgt
kurz einer Landstraße. Der Hof Heilers-Lülf liegt bald
nahe der Route (Temming 16, "Beerlage"). Gasthaus Klute
liegt zwischen dem Hof und Havixbeck (Poppenbeck 28, "Hangsbeck").
Dann weiter durch Havixbeck nach Osten Richtung Münster,
vorbei am Wasserschloss Burg Hülshoff.
MÜNSTER - Westbevern - OSTBEVERN (ca.
35 Km)
Diverse Museen und Kulturangebote in Münster, Zoo
Einkehr/Hofladen: unter anderem Lütke-Laxen (in Münster-Gelmer)
In Münster bieten sich wegen des Angebotes
(Museen, Zoo, Stadtbummel u.ä.) zwei Übernachtungen
an. Der Route Richtung Osten folgen, dann am Fluss Werse nach
Norden (links) abbiegen, dieser Route an Handorf vorbei nordwärts
Richtung Gelmer folgen. In den Ort hinein, kurz vor dem Kanal
liegt der Hof Lütke-Laxen (Gittruper Straße 43). Die
Route knickt bald nach Osten ab, ihr über Westbevern nach
Ostbevern folgen.
OSTBEVERN - FÜCHTORF (ca. 30 Km)
Einkehr/Hofladen: unter anderem Habichtshof (östl.
Ostbevern)
Hofladen u.a.: Spargelhof Kreienbaum
Der Habichtshof liegt östlich von Ostbevern,
Schirl 55 ("Im Igen", "Rottwinkeler Heide",
südlich der B51 nahe der Route). Der Route ostwärts
Richtung Füchtorf folgen. Der Spargelhof Kreienbaum liegt
südlich des Ortes an der Gröblinger Straße 62.
Der Route über Sassenberg Richtung Warendorf (Bahnhof) folgen.
Die Kilometerangaben sind eine grobe Abschätzung.
Unverzichtbarer Teil einer Radreise ist gutes Kartenmaterial,
in diesem Fall haben die beiden Radwanderkarten "Radregion
Münsterland" (Kreise Coesfeld und Warendorf) der BVA
unverzichtbare Dienste geleistet. Die vorangehend in Anführungsstrichen
gesetzten Örtlichkeiten beziehen sich auf diese Karten. Vor
Ort ist die Route hervorragend ausgeschildert (grüner Torbogen
auf weißem Grund) und führt abseits großer Verkehrswege
durch eine reizvolle Landschaft. Aufpassen, wo sich Routen kreuzen
oder teilen - die "100 Schlösser Route" besteht
aus vier miteinander verbundenen Rundkursen. Eine gute Übersicht
bietet die Karte "100 Schlösser Route" von Münsterland
e.V., die über die Besichtigungsmöglichkeiten und Lage
der 110 eingezeichneten Burgen, Schlösser und Herrensitze
informiert. Info: 0800 - 93 92 91 9
ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR
Niederrhein
So schön allein der Beginn dieser Reise:
Der gepflasterte Innenhof liegt im sanften Abendlicht, ein Wasserspiel
plätschert verhalten vor sich hin, Stockrosen blühen
in den Terrakottatöpfen, die Leute haben es sich auf den
gemütlichen Holzstühlen bequem gemacht und plaudern
leise, die Gläser mit kühlem Weiswein sind beschlagen
und klirren sanft beim Anstoßen auf einen schönen,
romantischen Abend. Dies ist auch der Auftakt auf eine Reise,
auf der Spur des Spargels zu kulinarischem Hochgenuss - hier auf
dem Genholter Hof. Vor den Toren des schmucken Ortes Brüggen
laden Gertrud und Hermann Ingenrieth zum Spargelbuffet.
In
der Gaststube viel helles Holz, weiße Tischdecken, Kerzenschein;
licht und leicht die Atmosphäre. Ein gelungenes, angenehmes
Ambiente, gehobene Gastronomie und zwanglose Gemütlichkeit.
Und dahinten an der Wand, da wartet das Buffet. Für Kreativität
sind Ingenrieths über Brüggen und Bracht hinaus bekannt
und Küchenchefin Birgit Winnikes ebenso: den Klassiker mit
Butter, Kartoffeln und Kochschinken - na klar, aber auch Wraps
mit Spargel und Schinken oder das Ragout mit Weiß- und Grünspargel.
Lieber eine Spargelquiche oder doch den gebratenen Spargel mit
diesem wunderbaren nussigen Geschmack? Dies hier ist nicht nur
überaus köstlich, sondern Ideengeber und Ansporn für
die heimische Küche. Muss Frau Winnikes nach dem Dessert
- alles probieren! - noch was fragen.
Das, was auf den fünf Hektar Spargelfeldern
des Genholter Hof von Familie Ingenrieth gestochen wird, landet
nicht in der Küche allein, sondern auch im Hofladen. Tütenweise
geht der Spargel, weißer wie grüner, auch heute Abend
über den Tisch. Auch hier liegt der Schwerpunkt bei den Produkten
auf Regionalität: Ziegenkäse, lecker eingelegt und vom
Niederrhein, Obst nach Saison und aus der Gegend, Suppen und Wurst
und rheinisches Birnenkraut auch. Wer für zu Hause noch Tipps
braucht: Kochbücher gibt´s ebenfalls. Der Proviantrucksack
des Reisenden auf der Spur des Spargels füllt sich langsam.
Und an manchen Tagen weht der Duft von frischgebackenem Schwarzbrot
durch den Hofladen - SO fangen gelungene Reisen an!
Am
kommenden Morgen ein Besuch bei Ingrid und Paul Brinkman,
ebenfalls gelegen im Brüggener Ortsteil Genholt. Die beiden
Schälmaschinen laufen auf Hochtouren, das Wochenende naht
und der Hofladen ist voll, die Kundschaft kauft kiloweise. Zwei
Zentner Spargel sausen pro Stunde durch die Schälmaschinen,
das Gerät mit den scharfen Messern klackt unablässig.
Schnell leeren sich die Kisten, zwei Mal täglich stechen
die Helfer die Stangen aus dem Sanddamm - Spargelsaison, das bedeutet
für Familie Brinkman einen 18-Stunden-Tag. Und trotzdem,
sagt Paul Brinkman, ist für interessierte Gäste nach
Anmeldung Zeit für eine Feldführung, er erklärt
die natürlichen Anbaumethoden gern.
Im Hofladen steht alles für ein Spargelmenü
parat, Schinken, Wurst, Papiertüten voller Kartoffeln, weißer
Spargel, grüner und auch violetter, und Eier. Im Übrigen
auch ganz große Eier, Gänseeier: die schmecken übrigens
viel intensiver. Geschmacksache. Eine Spezialität aber kommt
aber garantiert mit in den Rucksack: die Niederrheinische Spargelkruste.
Ein Weizen-Roggen-Brot mit geröstetem Sesam und Schnittlauch,
schön knusprig außen und innen zart. Denn im Brot steckt
frisch gestochener Spargel von Bauer Brinkman. Spargel also für
unterwegs, in der Tat ein noch nicht erlebtes Geschmackserlebnis.
Jetzt im Mai und Juni wird im wahren Wortsinn
geackert, bis zum 24. Juni. Dann brauchen die Spargelkulturen
wieder Ruhe, um Kraft für die kommenden Saison zu sammeln,
erklärt Paul Brinkman. Und dann, sagt er noch, dann setzen
sie sich alle zusammen und feiern mit ihren Saisonkräften
ein schönes Abschiedsfest. Nicht nur Spargel und die ausgesuchte
Qualität in den Hofläden - hier wie anderswo - hat etwas
mit Vertrauen zu tun; auch manche Mitarbeiter kommen nun zum zwanzigsten
Mal zu Brinkmans auf die Felder zwischen Brüggen und Bracht.
Die Route führt aus Brüggen hinaus vorbei
an einem naturnahen Auwald an der Schwalm, bald hinein in die
ausgedehnten Forsten des Brachter Waldes. In diesem Wald kann
sich der Reisende stundenlang aufhalten und ist doch immer auf
neuen Pfaden unterwegs - ein 120 Kilometer langes Wandernetz lädt
zur Expedition, ob zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Kernstück
und Schatzkammer in diesem Forst ist das Gebiet eines ehemaligen
militärischen Sperrgebietes, das nun auf ausgewiesenen Wegen
betreten und befahren werden darf. Da es kaum land- oder forstwirtschaftlich
bestellt worden ist, hat sich hier ein vielseitiges Landschaftsmosaik
erhalten: kleine Kiefernwäldchen wechseln sich ab mit Heide
und Offenflächen, es summt und brummt, Pfeiffengras weht
im Wind. Seltene Vogelarten sind hier zu Hause: ab Ende April
der Ziegenmelker gut getarnt am Boden oder auf dem Baum. Oder
die Heidelerche - ebenfalls ein Zugvogel, der diese vielgestaltige
Landschaft schätzt - und deren Gesang manchmal über
der Heide und im Wald zu hören ist. Wer nach dem Exkurs durch
diesen unbedingt besuchenswerten Teil des Brachter Waldes hungrig
und durstig ist, findet auf halber Strecke Richtung Kaldenkirchen
an der Grenze ein Gasthaus.
Der
Weg aus Kaldenkirchen führt an weiten Feldern vorbei, ein
Greifvogel lässt sich von der Thermik tragen, die Abendsonne
zaubert im Wasserdunst der Beregnungsanlagen tausendundeinen Regenbogen,
Beerenobst rankt am Spalier. Unterwegs zu Pionieren, unterwegs
zum Spargelhof Bonnacker. Es ist spät am Tag, Feierabend
eigentlich, doch in der Saison ist das für Landwirte in Sachen
Spargel relativ. Willi Bonnacker ist geschäftig unterwegs
zwischen Verladerampe und Büro, das Mobiltelefon in der Hand,
der LKW wird beladen, das muss heute noch zum Großmarkt.
Hubwagen sausen durch die Halle, der Laster nach
Köln wartet. Sechs bis sieben Tonnen des köstlichen
Gemüse werden hier verfrachtet - pro Tag, und einen Ab-Hof-Verkauf
gibt es natürlich auch. 1933 fing die Geschichte mit dem
Spargel bei Bonnacker an, inzwischen sind es 60 Hektar, hier und
heute notiert Willi Bonnacker 3900 Kilogramm auf dem Lieferschein
und der Laster nach Köln ist reisefertig. Die blauen Kisten
mit Klasse Eins und Zwei werden um ein Uhr nachts in den Kölner
Hallen sein, und morgen früh schon im Geschäft.
Im Betrieb ist inzwischen Ruhe eingekehrt. Die
Sortiermaschinen mit dem Kameraauge stehen still, bis sie morgen
früh wieder auf Hochtouren laufen werden wie jeden Tag zwischen
April und Sankt Johanni. Einstweilen Feierabend für die 110
Mitarbeiter, die im Spargel arbeiten. Willi Bonnacker reicht ein
Schälchen Erdbeeren, die schmecken in der frischen, kühlen
Abendluft zwischen Spargelfeld und Kaldenkirchen ganz köstlich.
Und die Abendsonne zaubert im Dunst der Berwässerungsanlagen
Regenbögen.
Heute
steht viel Strecke an, Etappenziel ist der Spargelhof Goetzens
nahe Kempen, vor dem Aufbruch noch ein Besuch auf dem Chico
Spargelhof. Also, das voll gepackte Rad auf die Wirtschaftswege
gewuchtet und in Richtung Grenze los. Unmittelbar vor den Niederlanden
der Hofladen von Jaap Dings. Die Räder greifen in den Kies
auf den Hof, die Planen über den Sanddämmen gleißen
in der Sonne und hinten im Betrieb laufen die Maschinen auf Hochtouren,
die Kisten auf dem Tresen voll mit frischem Spargel. Und: Zehn
Sorten hausgemachter Salat - unter anderem Spargelsalat, Rindfleischsalat,
Kohlsalat - in der Kühltheke und noch Platz im Proviantrucksack.
Dass die freundlichen Damen während des Rundgangs mit dem
Chef für den Radler eine Auswahl für unterwegs zusammenstellen
- eine schöne Überraschung!
Jaap Dings geht in die Kultur, hebt die Plane,
zeigt Spargelköpfchen, die den Sand mit charakteristischem
Muster schon durchbrochen haben. Die müssen seit sechs Uhr
früh wohl nachgewachsen sein, dann wird hier gestochen. An
vielen, vielen Kilometern Damm - denn das Umland von Kaldenkirchen
liegt auf leichtem Sandboden, und das ist gut so für den
Spargel.
Hinter Kaldenkirchen führt die Route schnell
in ein weiteres Naturschutzgebiet und der Reisende tut gut daran,
ein Fernglas dabei zu haben. Die Krickenbecker Seen sind ein abwechslungsreiches
Gebiet aus Wasser, Wäldern und Wiesen. Mit viel Glück
an der Nette ein schneller Blick auf den Eisvogel. Und vom Beobachtungsturm
am Großen de Wittsee in Ruhe die Zwergtaucher beobachten.
Naturschützer sind dabei, die überaus seltene Rohrdommel
wieder anzusiedeln. Sie braucht ausgedehnte Schilf- und Röhrichtbestände,
die hier und heute am de Wittsee und anderswo im Naturschutzgebiet
im Wind verhalten rascheln. Aus den Erlenbruchwäldern tönt
das leise Hämmern der Spechte, Libellen surren über
das dunkle Wasser, Bleßhühner ziehen still ihre Bahnen
und diese abgehackten, fernen Rufe aus dem Schilf - es könnte
ein Teichrohrsänger sein. Gut, dass neben dem Fernglas auch
das Vogelbestimmungsbuch im Rucksack ist. Der Niederrhein - das
ist auch ein Naturerlebnis. Hier an den Krickenbecker Seen. Und
den Naturschützern und Naturfreunden ist zu wünschen,
dass der meilenweit tragende Ruf der Rohrdommel wieder über
die unergründlichen Wasser trägt.
Vorbei
am Kloster Mariendonk führt die Niederrheinroute durch Kempen,
dann Richtung Sankt Hubert, Wegweiser schließlich führen:
zum Spargelhof Goetzens. Samstagmittag ist längst
durch und der Hofladen ist rappelvoll. Geht der weiße, grüne
und violette Spargel im Minutentakt kiloweise über die Waage
- bis vier Uhr, zum Ladenschluss am Samstag, "ist immer genug
Spargel da!", sagt Anni Goetzens in den wenigen Minuten,
die sie für den neugierigen Radfahrer Zeit hat. Zeigt den
Kühlraum mit den blauen Kisten: Nachschub von sieben Hektar
Anbaufläche. Sortier- und Schälmaschine laufen auf Hochtouren.
Und es ist natürlich der Einsatz der Mitarbeiter - zwei allein
an der Schälmaschine -, die dafür sorgen: Kempen und
Umgebung bleibt auch in der Saison wochenends nicht ohne Spargel.
Und jede Stange davon ist Handarbeit. Die Bäume rauschen
im Wind und Schwalben sausen in den Stall, als der Radler wieder
auf der Route ist.
Felder und Pferdeweiden, Wiesen und Wäldchen,
über dem einsamen Bildstock rauschen die Bäume. Hinter
Wachtendonk genießen nicht nur Radler das ländliche
Idyll, still lassen sich Paddler von der sanften Strömung
der Niers nordwärts treiben. Pappelreihen stehen in der Ferne
und da vorn an der Ecke lädt eine Bank zur Rast. Der Rucksack
wie immer gut gefüllt, leckere Salate, Brot und zum Nachtisch
eine Schale mit Erdbeeren. Zu hören fernes Traktorengeräusch,
das Gezeter vom Fasan und das muntere Geplauder einer Gruppe Radtouristen,
die aus der Gegenrichtung vorüber zieht. Ansonsten: wohltuende
Ruhe und ein leckeres Picknick.
Weiter Richtung Straelen, der Wind schiebt, schön.
Vor vierzig Jahren, sagt Hans-Theo Pasch, waren es Nullkommazwei
Hektar Spargelkultur, heute sind es elf Hektar. Über die
der grüne Traktor samt sehr eigenartigem Gerät langsam,
ganz langsam seine Bahnen zieht. Dieses Ding, Pasch nennt ihn
den "Spargelflieger", zieht automatisch und auf sieben
Dämmen gleichzeitig die Folien hoch und verlegt sie nach
dem Stechen wieder ordentlich - diese mühsame Arbeit bleibt
den Männern erspart, effizienter arbeiten nahe Straelen.
Mittig im Gerät hängen die Eimer mit den frisch gestochenen
Stangen. Am Rand der Kultur stehen die Kisten mit dem kalten Wasser,
hinein kommt dort der Spargel, bevor das Gemüse zum Spargelhof
Pasch gebracht wird - jede halbe Stunde, Pendelverkehr.
Die Kisten mit dem Spargel kommen in den Hofladen
oder in die Küche von Waltraud Pasch: Schon vor dem Besuch
auf dem Feld war es fest versprochen - das leckere Spargelessen
für den Radfahrer. Nach vielen Kilometern Strecke, trotz
Picknick unterwegs, am Ende des Tages doch wieder voller Appetit.
Das weiße Zelt hat Platz für hundert Leute, liebevoll
gedeckte Bierzeltgarnituren mit Blumen darauf, dahinter lockt
ein schmucker Biergarten und den Kuchen, den backt Waltraud Pasch
natürlich selbst. Jetzt serviert sie ein Pfund Spargel, klassisch
mit Kartoffeln, zerlassener Butter und gekochtem Schinken. Dazu
ein kühles Bier und wieder klingt ein Tag auf der Spur des
Spargels so aus, wie sich der Radler es erwünscht hat. So
angenehm kann es sein, im Niederrheinischen bei den Spargelbauern.
Unterwegs also bei Landwirten aus Leidenschaft.
Auch Willi Schoofs vom Nachbarhof gehört dazu. Er
öffnet die schwere Tür, es wabert eiskalter, feiner
Nebel durch den Kühlraum. Sprühsysteme sorgen dafür,
dass das kostbare Gemüse nicht austrocknet bevor es in den
Verkauf kommt, in den blauen Kisten stapeln sich die Stangen.
Aber nicht lang, auch hier reger Betrieb in der Saison. Damit
kein Gourmet mit leeren Händen - in den Regalen Brot, Erdbeeren,
Schinken, Kartoffeln, feine Weine - nach Hause geht, stehen Schoofs
morgens um vier Uhr auf. Zu Beginn der Saison sticht der Chef
selbst mit - und er macht das gern. Morgen früh gleich wieder.
EXKURS WALBECK (siehe auch Walbecker Höfetour)
Hinter Walbeck verschwindet eine Nebenstrecke
der Niederrheinroute bald im Wald. Schloß Walbeck, stattlich
und von außen zu bewundern, verschwindet linker Hand, Buchen
beschatten den Weg. Vom Haus Steprath mit seinen rot-weißen
Fensterläden führt eine Eichenallee wieder in den Mischwald,
Vogelrufe, Insektengesumm, eine Bank zur kurzen Rast. Später
schauen dem einsamen Radler die Pferde hinterher. Kiebitze schießen
über die Felder und Lupinen blühen in der Frühlingssonne.
Mittagspause an einem verwitterten Tisch an einer Allee mächtiger
Eichen. Wie vielen Reisenden mag dieser Platz ebenso einladend
gewesen sein?
Spiel,
Spargel - und viel Spaß. Fröhliches Kindergeschrei
auf dem Spargelhof Janßen. Hart an der niederländischen
Grenze in Weeze-Wemp hat sich Daniela Angenendt, Tochter von Heidi
und Heinrich Janßen, ein Programm für die Kleinen ausgedacht,
denn schließlich: Bauernhof macht Spaß! Und - wie
kommt der Spargel eigentlich vom Feld auf den Teller? Für
die Kinder der Grundschulklasse ist die Exkursion zwischen Sanddamm
und Sortieranlage eine Riesengaudi - "Die Kinder sind begeistert,
sie können ja auch selbst stechen und sortieren", sagt
Daniela Angenendt. Und später speisen. 50 bis 70 Prozent
der Kinder, so ihre Schätzung, haben Spargel schon probiert.
Und mögen ihn offenbar, denn die Suppe - " . . . da
kommen nur die Köpfchen rein!" - schmeckt allen köstlich.
Wer als reisender Radler Glück hat, bekommt
im Hofladen von Heidi Janßen auch Suppe, selbst gekocht
und zum mitnehmen. Sinnvoll, wenn abends eine Ferienpension mit
Küche wartet. Der Abstecher von der Niederrheinroute zum
Hof Janßen auch deshalb lohnenswert: in den Regalen Köstlichkeiten
wie Bärlauchkäse oder welcher mit Pfeffer und allerlei
Schinken und Wurst. Die Kühlung summt, darin auch Weißwein.
Nie, nie wird der Proviantrucksack auf dieser Tour leer. Übrigens:
Schinken und Wurst kommen im wahren Wortsinn vom Hof Janßen.
Heinrich Janßen bewirtschaftet neben den Spargelkulturen
auch einen Schweinebetrieb, das Fleisch metzgert ihm der Meister
im Nachbardorf.
Heidi Janßen verschwindet indes, gerade
vier Kilo Spargel verkauft und eine Runde geklönt, nach hinten.
Die fünf Männer sind mit den Kisten vom Feld gekommen,
eine gute halbe Tonne Spargel wandert durch die Hände, die
Waschanlage, wird in der Checkliste abgehakt - und liegt bald
darauf vorn im Laden. Worauf sich nicht nur große Genießer
freuen! Aber nur noch bis "Spargel-Sylvester", Sankt
Johanni naht. Und was für ein Gefühl ist es, wenn die
letzte Kiste vom Feld kommt, die Sortiermaschine still steht und
die Kisten vorn im Laden für fast zehn Monate leer bleiben?
"Ein komisches Gefühl", sagt Heidi Janßen.
Verständlich, die Spargelbauern leben und lieben ihren Beruf.
Merkt man, schmeckt man. Hier im Niederrheinischen.
Unter
den ausladenden Ästen alter Laubbäume und die Niers
auf linker Seite ist Weeze schnell erreicht, bald schon Goch,
Ortsteil Asperden. Der Wind kämmt die Krone der mächtigen
Linde und die Reifen greifen in den weißen Kies auf dem
Hof von Familie Ophey. Die Route ist hier und heute zu Ende, ein
schöner Schluss bei Ursula und Peter Ophey, auf dem
Ferienhof. Hier kommt zusammen, was das Niederrheinische auszeichnet:
Ländliches Idyll, Urlaub auf dem Bauernhof, Spargelessen
na klar, und: reiten! Ob mit eigenem Pferd zum Unterstellen, für
Reitstunden auf dem Hof oder für Ausritte durch die stille,
gefällige Landschaft - hier ist ankommen, ist runterkommen.
Entspannen fern vom Alltag, rauskommen. Der Hof hat Anschluss
an ein ausgedehntes Reitwanderwegenetz bis weit hinein in die
Niederlande. Und Kutschfahrten, die gibt es auch.
Die Wohnungen so liebevoll eingerichtet wie gemütlich,
der Hofladen hat alles für ein abendliches Spargelmenü
in der Ferienwohnung (Küche!) mit Blick über die Spargelfelder.
Abendstimmung. Die Kinder toben auf dem kleinen Spielplatz, die
Schwalben sausen über den Hof und in den Kronen der Eichen,
da singt der Sommerwind seine ewige Melodie. Und richtig: da ist
ja auch noch Wein im Rucksack. Köstlich. Und einfach schön,
so ein Urlaub hier bei den Leuten am Niederrhein.
ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR
Walbecker Höfetour
Die Walbecker Höfetour war 2010 ein Highlight
der Aktivitäten im Spargeldorf Walbeck. Redakteur Oliver
Abraham hat diese Tour gemacht und seine Eindrücke beschrieben.
Natürlich können Sie die einzelnen Stationen auch außerhalb
des Aktionstages besuchen und genießen. Hier sein Bericht:
Schönheit.
So viel Schönheit. Und wohin das Auge auch nur blickt. Bezaubernde
Damen, betörende Blumen. Willkommen bei Orchideen Bremkens,
Willkommen in Walbeck. Faszinierend in der Form, faszinierend
in der Farbe - drei Hektar Orchideen unter Glas und die 29 Grad
samt hoher Luftfeuchtigkeit wirken wie ein nasses Handtuch. Gut
ist das für die blumigen Schönheiten, die in voller
Pracht blühen: in der Hauptsache weiß - mit 30 Prozent
die beliebteste Farbe - gefolgt von lila und gelb. Aber: "Wir
bieten alle Formen an, und alle Farben", sagt Matthias Bremkens,
Chef und Herr über Dreikommafünf Millionen Orchideen
hier an der L480 vor den Toren Walbecks.
Das Dorf ist weithin bekannt für Spargel,
dazu gleich mehr, und das Straelener Land ist ebenso weit über
seine Grenzen bekannt für noch etwas: das Straelener Land
ist Blumenland. Rund 200 neue Orchideen-Züchtungen wachsen
pro Jahr allein bei Bremkens heran, die Zucht von Orchideen ist
ein langes Geschäft. Und wer weiß heute schon, was
in ein paar Jahren angesagt ist. Deshalb - alle Formen, alle Farben.
Das Leben einer neuen Orchidee beginnt hier wie seit Alters her
mit reiner Handarbeit. Seniorchef Johannes Bremkens, 82 (STAND
2010), bestäubt die Pflanzen per Hand mit Holzstäbchen.
Dafür, dass am Ende wunderschöne Orchideen in voller
Pracht erblühen und blumige Schönheit das Auge in aller
Welt erfreuen, sorgen die 75 Mitarbeiter.
Eine Königin und eine Prinzessin sind fasziniert
von so viel Pracht: Spargel-Adel, NRW-Spargelkönigin 2010
Farina Frantzen und Walbecks Spargelprinzessin 2010 Tanja Roosen,
auf Besuch in der Orchideen-Schatzkammer. Einzigartige Formen,
beeindruckende Farbspiele - das kann nur die Natur. Mit ein bisschen
Hilfe von den Orchideenfachleuten, denn die wissen was dereinst
richtig schön sein wird - Erfahrung von Bremkens und die
Leidenschaft fürs Schöne. Die anderen Besucher; ebenso
begeistert und ganz gewiss mit Ideen und reichlich Anregung in
Sachen Blumenschmuck für zu Hause - alle Formen, alle Farben,
für jeden Geschmack.
Endverbraucher können hier bei Bremkens Samstags von 11 bis
12 Uhr (STAND 2010) einkaufen oder wochentags und Samstags zu
den regulären Öffnungszeiten bei den Firmen Leo Willemsen
und Bernd Leukers, diese liegen nah bei an einer Nebenroute zwischen
Kerken und Geldern.
Noch
einmal Blumen, bevor die Tour sich den kulinarischen Köstlichkeiten
widmet. Heinz-Willi Bouten ist in seinem Gartenbaubetrieb unterwegs,
gibt Tipps für Beet und Balkon. Bei 150 verschiedenen Blumen
für den Hobbygärtner sicher eine nützliche wie
dankbare Hilfe. Und Anregung. Was brauche ich noch für meinen
Garten? Was kann ich jetzt am besten pflanzen? Beim Gang durch
die Gewächshäuser der Gedanke: das möchte ich auch
haben! Gelb-orange Tagetes oder blaue Lobelien. Oder beide als
farblicher Kontrast? Strohblumen für den Sommer. Also? Herrn
Bouten irgendwo im Gewächshaus finden. Die Kundschaft weiß
um Rat und Tat, kommt deshalb hierher - der Auswahl wegen und
der Kompetenz vom Gärtnermeister Bouten, so wird's richtig
gut.
Mittagstunde.
Das Rad rollt auf dem Spargelhof Kisters aus. Die alte Windmühle
hält Wacht über den Hof mitten im Dorf. Stephan Kisters
kommt - in Klompen und mit Strohhut - aus der Scheune. Seine Holzschuhe
klappern über den Hof, er geht zum Hofladen. Dort gehen die
Tüten mit Spargel kiloweise und im Takt tibetischer Gebetsmühlen
über den Tisch; die Kundschaft packt sich Kartoffeln, Eier,
Schinken in den Einkaufskorb. Eine Flasche Wein dazu? Im Hofladen
steht alles für das Spargelmenü für zu Hause bereit.
Bei Kaffee und Kuchen zulangen kann der Gast ein paar Schritte
weiter in Kisters "Café Op de Deäl", Tische
aus alten Wagenrädern, Holzstühle, selbstgebackener
Kuchen, gemütlich, echt und ehrlich. Gegenüber dem Hof
das Restaurant "Zum Mühlenhof", die Köstlichkeiten
rund um das königliche Gemüse warten.
Und bei Kisters, um noch kurz auf dem Hof zu bleiben,
gibt es allerdings noch mehr als Kulinarisches in Sachen Spargel:
Stephan Kisters erzählt und erklärt - und das vor Ort:
Feldführungen, Betriebsbesichtigung, Wissenswertes über
Spargel, Einkehr in die Gastronomie vor Ort. Für interessierte
Gäste haben Kisters ein schönes - und beliebtes, früh
genug buchen! - Programm zusammengestellt. Da schmeckt es zum
Schluss noch mal so gut. Und nach dem Essen? Ein "Spargeltröpfchen"
vielleicht? Ein milder Kornbrannt ist dies, worin Spargel eingelegt
ist. Vitamine und gesunde Inhaltsstoffe hat der Brannt aus dem
Spargel gezogen, der Tropfen zergeht auf der Zunge, feiner, würziger
Spargelgeschmack breitet sich im Mund aus.
Über Pflaster, durch den schmucken Ort, vorbei
am empfehlenswerten "Posthotel Haus Deckers" und der
Kirche, unter prächtigen Bäumen an der Straelener Straße.
Der Rundkurs führt dann rechts in den Bosserweg und dann
die zweite Straße wieder rechts in Richtung des Spargelhofs
von Familie Janßen. Vier Hektar bewirtschaften Theo und
Dirk Janßen mit dem edlen Gemüse; und Edles hat Anspruch!
Der leichte Sandboden und das gute Grundwasser, das sei wichtig
sagt Theo Janßen, für diesen feinen, süßen
Geschmack des Walbecker Spargel.
Die Geschmäcker sind verschieden. Schmeckt
besser als anderer gilt nicht! Wer aber den Geschmack des Walbecker
Spargel schätzt, der sollte auch sicher sein, was er kauft.
Eine eindeutige geographische Abgrenzung des Anbaugebietes für
Spargel aus Walbeck ist geplant, der Begriff müsse geschützt
werden, Sortenreinheit, die sei so wichtig. Da wisse man dann,
was man hat. Erdkundler waren rund um Walbeck längst unterwegs,
um in Sachen Bodenbeschaffenheit eine klare Einordnung zu erforschen.
Bei
Janßens im Hofladen, wie auch anderswo auf den Walbecker
Spargelhöfen, liegt also der von hier in den Kisten, der
feine, süßliche Spargel. Und in den Regalen, noch so
viel mehr was den Radler für ein kleines Picknick zufrieden
zugreifen lässt: Gläser mit gekochtem Mett, Leberwurst
oder Bauernfrühstück (im Dorf Brot kaufen!), Erdbeeren
und Obst von den Nachbarhöfen. Der Rucksack füllt sich
mit Köstlichkeiten. Und die viele, viele Arbeit, die getan
werden muss, bis die weißen Stangen im Hofladen liegen,
die ahnt der Reisende allenfalls.
Die
Schälmaschine rattert und klackt, Ware frisch vom Acker muss
gewaschen werden, durch die Sortieranlage vom Wert eines guten
Mittelklassewagens sausen die Stangen unablässig. An so manchen
Tagen, sagt Dirk Janßen beim Rundgang durch den Betrieb,
müsse die ganze Familie halt sehr früh aufstehen, damit
bis Feierabend der Spargel für alle Kunden reicht, "Wir
machen das sehr gern!" So ist das hier in Walbeck, bei Janßens
und auch anderswo: Landwirte aus Leidenschaft. Und so schmeckt´s
dann auch.
Viel Arbeit bis das köstliche Gemüse
im Hofladen liegt auch auf dem Spargelhof von Familie Allofs.
Mit 30 Hektar Anbaufläche gehört der Hof von Franz-Peter
Allofs zu den größeren Produzenten, allein 30 Mitarbeiter
sind hier am Broecksteg im Norden Walbecks nur mit dem Sortieren,
dem Schälen und dem Verkauf zuständig. 30 Hektar das
sind, überschlagen, 14 Mal die Strecke des Rundkurses um
Walbeck in Kilometer Damm: 150! Gestochen wird von fünf Uhr
in der Früh bis abends um neun. Schwerste körperliche
Arbeit, erinnert Franz-Peter Allofs während des Rundgangs
über den Hof, gearbeitet werde auf dem Feld von daher im
Vier-Stunden-Rhythmus, also bis zur verdienten Pause der Saisonkräfte.
Erfahrene Kräfte schaffen 3500 bis 4000 Stangen pro Tag.
So kommen in der Spargelzeit allein von Allofs Äckern 160
Tonnen Spargel - für den Großmarkt, Restaurants und
Hofläden. Bei all der Schufterei, dem Akkord und den riesigen
Mengen - eines ist ganz wichtig: die Feinmotorik der Spargelstecher,
ohne sorgfältiges Arbeiten an der einzelnen Stange - und
vorheriger intensiver Schulung - geht gar nichts. Und davon haben
schließlich beide Seiten etwas, sagt Allofs.
Für seinen Hofladen hat Franz-Peter Allofs
sich ein System ausgedacht, das dem Kunden einen sehr genauen
Blick auf die unterschiedlichen Sortierungen der Stangen ermöglicht.
Die Kisten stehen auf Rollen und können vom Kunden unter
dem Tresen hervorgezogen werden. Nach der Wahl zieht die Verkäuferin
diese zurück und entnimmt die Menge. Hier und heute steht
die Kundschaft bis auf den Hof. Für Gruppen übrigens
gibt es ein schönes Café, das nach Anmeldung für
Kaffee und Kuchen öffnet.
Auch hier kommt das Gespräch schnell auf
den süßlichen Geschmack des Walbecker Spargels, auf
die hervorragende Beschaffenheit des Sandbodens mit seiner günstigen
Mineralisierung und einer geologischen Überprüfung.
Zum Schluss hat Franz-Peter Allofs noch einen Tipp für zu
Hause parat: gleichmäßig große Stangen zusammen
mit etwas Butter und Gemüsebrühe in Alufolie wickeln
und für 30 Minuten bei 180 Grad in den Backofen - "
. . . ein so intensives Aroma, das glauben Sie gar nicht!"
Nachmachen. Spargel, das können die Landwirte hier in Walbeck!