spargel

 

 

 

 

Spargel-
Radtouren

 

 

Redakteur Oliver Abraham war für uns mit seinem Rad unterwegs. An dieser Stelle stellen wir Ihnen seine kulinarischen Radtouren in verschiedenen Regionen NRWs vor. Wir wünschen viel Spaß bei Ihrer Entdeckungstour rund um die Spargelbetriebe des Landes. Weitere Informationen zu allen genannten Spargel-Betrieben und natürlich zu allen weiteren Mitgliedern der Spargelstrasse-NRW finden Sie in unserer Datenbank.

Ostwestfalen - von Marienfeld bis Stukenbrock

Delbrücker Spargelroute

Münsterland - von Olfen bis nach Füchtorf

Niederrheiner Spargelroute

Walbecker Höfetour


Ostwestfalen - von Marienfeld bis Stukenbrock

Ach, was war das schön die Tage! Ein lichtes Kiefernwäldchen mit Birken darin, Eichen säumen den Pfad. Spechte hämmern, ein Zitronenfalter flattert durch das Sonnenlicht, Hummelsummen. Der Weg führt an einer Pferdekoppel vorbei, Greifvögel lassen sich von der Thermik eines schönen Frühjahrstages treiben. Da ist sie schon, die Ems - zwanzig Schritte breit strömt sie nahe Harsewinkel über die Steine. Pappelreihen rauschen sanft im Wind.

Der Weg nach Marienfeld wird im Naturschutzgebiet Boomberge von Sanddünen gesäumt, die in der letzten Eiszeit abgelagert wurden. Unter dem lichten Kronendach der Kiefern stehen Eichen und Birken, Eberesche und Faulbaum, Heide gedeiht in Restbeständen und das seltene himmelblaue Sandglöckchen. Die Radtour macht hungrig und der Hof Kuhre mit seinem gut sortierten Hofladen ist nicht mehr weit. Bevor der Radwanderweg R1 links nach Marienfeld abknickt, lohnen die knapp 500 Meter nach rechts zum Hof Kuhre unbedingt: Proviant fassen.

Seit mehr als dreißig Jahren verkaufen sie hier kulinarische Köstlichkeiten. Herzebrocker Walnüsse füllen den Korb, eingelegte Kürbisse und Bärlauchgurken stehen im Regal, an der Theke machen Mettenden und Leberwurst, Knochenschinken und Heidefrühstück - all dies nach feiner handwerklicher Tradition - die Auswahl schwer, Brot dazu verkauft Annette Kuhre dem hungrigen Reisenden natürlich auch. Sie steht gerade an der Schälmaschine und legt die weißen Stangen in das Gerät - in der Saison dreht sich hier fast alles um das königliche Gemüse: den Spargel!

Doch nicht um den Weißen allein: Martin Kuhre fährt raus auf das Feld. Dort sprießen in der Frühlingssonne zaghaft erste Stängel aus der Erde - Grünspargel. Weil er oberirdisch wächst, bekommt dieser Spargel seine grüne Farbe, Kenner schätzen seinen herzhaften Geschmack. Und es werden offensichtlich immer mehr, in diesem Jahr hat Martin Kuhre ein weiteres Hektar mit Grünspargel bepflanzt. Der wird im Hofladen in 500-Gramm-Bunden verkauft und Annette Kuhre hat die passenden Rezepte dazu. Man kann ihn auch braten.

Passend mit Proviant und Ideen versorgt weiter auf der Radroute. In der alten Abtei des Klosters Marienfeld schmeckt ein selbstgebrautes Bier köstlich. Die Tour führt bald am Hühnermoor vorbei. Einem kleinen verwunschenen Stück Natur, wo über dunklem, unergründlichem Wasser Libellen sirren. Wollgras wippt im Wind. Von der Route lohnt unbedingt ein Abstecher Richtung Nord-Rheda, zum Hof Meloh. Vorallem, wenn das schöne Spargelzelt geöffnet hat und zum köstlichen, abwechslungsreichen Spargelbuffet lädt. Und das lohnt sich: Spargel, na klar, dazu Schinken und Schnitzel, Gratin und Rührei. Ein Gläschen Wein dazu oder ein frischgezapftes Pils? Kein Problem. Nach dem großen Erfolg in der vergangenen Saison lädt Familie Hollenbeck wieder ein - in das stilvoll geschmückte Zeltrestaurant.

Eine wunderschöne Eichenallee führt dorthin, zum prachtvollen Hof Meloh im Rhedaer Norden. Manche der Hofeichen sind sicher dreihundert Jahre alt und älter. Wenn der Wind durch die Kronen streift und sein Lied singt, ist das allerfeinste westfälische Bauernhofidylle. Und im Hofladen, natürlich, alles was der Feinschmecker für ein Spargelessen braucht. Und eine hausgemachte Konfitüre für Zuhause, die passt auch noch ins Gepäck.

Im Nebenraum saust ein Kilo Spargel in wenigen Augenblicken durch die Schälmaschine, im Einkaufskorb eine Lage Schinken und ein Pfund Kartoffeln. So einfach ist das, so köstlich! Eines möchte Rainer Hollenbeck seinem Gast noch zeigen: die Erdbeerkultur im Gewächshaus, dank ausgeklügeltem Versorgungssystem steht sie in voller Pracht. Und dies in Schulterhöhe - auf dem Hof Meloh wachsen einem die Köstlichkeiten quasi in den Mund.

Nahe Gütersloh liegt der Spargelhof von Ulrich und Ulrike Schröder. Er ist mit dem Bulli unterwegs zu seinen Spargelkulturen im Rhedaer Forst. Die Sonne hat sich verzogen und der Wind frischt auf, rüttelt an den Folien. Zeitig aber schon konnten die Männer mit dem Stechmesser in die Kulturen ziehen.

Ulrich Schröder kontrolliert die Folientunnel, in denen in Gewächshauswärme unter den schwarzen Folien die ersten Stangen an die Oberfläche drücken. Vorsichtig legt er eine Stange mit der Hand frei und sticht sie routiniert ab. Das Loch wird mit der Kelle gewissenhaft verfüllt - so geht sie, die Spargelernte. Erfahrene Erntehelfer schaffen rund zwanzig Kilo pro Stunde - das entspricht knapp 400 Meter Damm.

Auch deshalb, weil die "Spargel-Spinne" hilft - ein selbstfahrender Apparat, der die Folie anhebt und den Leuten zumindest diese aufwändige Arbeit erspart. Mit ihren verschiedenen Folien können die Spargelproduzenten die Ernte ein wenig vom Wetter unabhängig steuern - schwarze Plane absorbiert Wärme und lässt die Stangen darunter schneller reifen. Kulturen für später sind mit weißen Planen abgedeckt, die reflektieren und lassen dem Spargel noch etwas Zeit.

Auf dem Hof rollen die ersten Kisten mit den weißen Stangen durch die Dusche. Nach dieser Vorreinigung warten 240 Kilo Spargel in der Wanne mit Eiswasser auf die Weiterverarbeitung, nach dem maschinellen Sortieren bleibt gut die Hälfte davon für den Verkauf übrig. Wer weiß beim Kauf im Hofladen schon, wie viel Arbeit für den Spargel nötig ist. Rund um den Hof wachsen übrigens reihenweise Beeren - Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Blaubeeren. Eine schöne Ergänzung für den Proviantrucksack.

Durch einen lichten Laubwald geht es weiter Richtung Verl, Wildtauben fliegen aufgeschreckt davon. Der Ölbach rauscht an einer alten Wassermühle munter über das Wehr. Stille Stunden im Verler Land! Im Ortsteil Österwiehe macht sich Meister Vorbeck ans Werk. Nachts zwischen zwei und drei Uhr. Seit Vierzig Jahren backt Josef Vorbeck in dem alten Steinbackofen seines kleinen, feinen Handwerksbetriebes den köstlichen Pumpernickel. Dieses saftig süße Brot ist die ideale Unterlage für hausgemachte Wust und Schinken. Roggenschrot und Rübensirup kommen in tiefer Nacht ins Rührwerk und bald in den heißen Ofen. Der hält die Wärme und der Pumpernickel gart dann hinter den schwarzen Klappen 16 bis 18 Stunden in den länglichen Aluformen. Diese kulinarische Köstlichkeit, diese alte handwerkliche Tradition, gehört zu Ostwestfalen unbedingt dazu. In den Geschäften in Verl zu kaufen und Platz im Rucksack ist auch noch. Lecker!

Am alten Kirchplatz von Verl steht eine feine Manufaktur. Nach einem guten Essen gehört im Verler Land eines dazu: der "Schroedersche", der Boonekamp - ein Magenbitter, produziert von Bruno Schroeder nach alter Väter Sitte. Die schwere Holztür geht auf, der Betrieb atmet Geschichte, es geht gemächlich zu, fast wie zu Opas Zeiten. Auch das Abfüllen ist reine Handarbeit. In den uralten Eichenfässern - ehemalige Weinfässer von der Mosel - steht der Bitter und kommt zur Ruhe. Reift heran, der unnachahmliche Geschmack rundet sich ab. Zeit ist genug. Geheimnisvolle Zutaten: Süßholz, Galgant, Zittwerwurzel, Aloe - 34 Kräuter, Früchte und Gewürze gehören hinein. Das alte Geheimrezept lagert sicher im Tresor. Seit mehr als 150 Jahren gehört hier das "Verler Heimatwasser" gewiss dazu - probieren Sie ihn!

In Verl-Sende ist Willi Große Wächter auf dem Feld unterwegs. Und zwar langsam. Ganz, ganz langsam. Er steuert den grünen Traktor mit atemberaubenden Nullkommafünf Stundenkilometern über die neu anzulegende Spargelkultur. Hinter der Zugmaschine hängt die Pflanzmaschine. Sie pflügt einen Graben, zwei Mitarbeiter sitzen auf dem Gerät, vor sich die Kisten mit den Jungpflanzen, sie legen die Pflanzen auf einen Mechanismus. Der legt die Spargelpflanzen - vier pro Meter - in den Graben, danach wird automatisch Boden aufgetragen und sanft angedrückt. Nur eben sehr, sehr langsam.

In der Fahrerkabine läuft das Radio, der Wetterbericht, der ist ihm besonders wichtig. Der Trecker fährt den Acker rauf, den Acker runter. Und das zwingend genau geradeaus.
24 000 Pflanzen pro Hektar, dies heißt Arbeit bis Sonnenuntergang, und morgen ganz früh gleich wieder. Und dann muss er sich Gedanken machen, wie er die ersten Triebe vor gefräßigen Konkurrenten schützt - denn die Kaninchen die mögen das. Im Hofladen stehen schon die ersten Kisten mit den köstlichen Stangen. Neben dem Hofladen beliefert Willi Große Wächter auch Gasthäuser im Umland mit Spargel. Eines davon wird bald erreicht sein. Vorfreude!

Entlang des Ölbachs geht es durch den Holter Wald. Ein schöner Wald, mit altem Bestand. Hier darf der Bach fließen, wie er will, kurvt munter durch den Sand der Senne. Das Hämmern der Spechte ist zu hören. Der Wind kämmt die Kronen der Buchen und Eichen. Eisvögel sogar leben an diesem naturnahen Bach - dieser "fliegende Edelstein" zischt mit durchdringendem Pfiff gleich blau wie ein Blitz über das Wasser, wie die Leute vom Naturschutz berichten. Glücklich schätzt sich, wer dies erleben darf! Die verlassenen Spechthöhlen in den Altholzbeständen nutzen andere Vögel - der Waldkauz beispielsweise oder Fledermäuse. Biotopvielfalt im Holter Wald, Heimat von bedrohten Arten. Die Sonne zaubert Lichtspiele in den Wald und wieder hämmert in der Ferne ein Specht. Und ob die "Tausendjährige Eiche" tatsächlich so alt ist, darüber darf spekuliert werden.

Nach schöner und stiller Radtour durch Wald und Wiese, Feld und Flur wird schließlich Hövelhof-Riege erreicht. Hier wirkt Franz Spieker im gleichnamigen Gasthaus. Unbedingte Empfehlung: Einkehren! Der Küchenchef ist für außergewöhnlich gute Gerichte bekannt. Selbstverständlich gehört in der Saison Spargel aus der Region dazu. Franz Spieker legt Wert auf regionale Produkte - so kommt sein Spargel aus eben aus dem nahen Verl-Sende, von Große Wächter. Der Spargel aus der Senne, fein, mild und mit leichter Süße. Auf der Karte natürlich der Klassiker mit Kartoffeln und Schinken. Er verrät aber auch außergewöhnliche Rezepte: Zum Beispiel in einer Himbeer-Vinaigrette marinierten Spargel mit Erdbeeren oder Risotto mit Spargel und roh mariniertem Lachs. Und nach einem gutem Essen, ein Schluck "Verler Heimatwasser". Köst-Lich! Wer mag kann bleiben, das Gasthaus Spieker hat auch schöne Gästezimmer.

In Stukenbrock gibt es den Spargel- und Erdbeerhof von Peter Aschof. Zehn Hektar Kultur bewirtschaftet er mit dem königlichen Gemüse. Die Saison beginnt und auch im Hofladen von Gaby Aschof gibt es viel zu tun. In den Regalen in der alten Deele stehen selbstgemachte Marmeladen, in der Theke Mettwurst und Schinken, Kundschaft holt sich Kartoffeln und das Schild. Ach, und das Schild muss an die Straße - jetzt geht es los!

Die karge Senne zeichnet vor allem der leichte Sandboden aus. Das ist für den Anbau von Spargel von erheblichem Vorteil. Dieser Boden, mit fast weißen Sand, erwärmt sich schnell. Und je schneller der Spargel ob der Wärme darin wachsen kann, desto zarter wird er schließlich. Hier im Bereich der Trockensenne optimale Vorrausetzung, auch wegen des nahen Grundwasserhorizontes. Der Wind frischt auf, Planen gleißen in der Sonne. Peter Aschof muss wieder los - es gibt viel zu tun. Es ist Spargelsaison in der Senne! Und die Leute warten schon.

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Infos SPARGELTOUR OSTWESTFALEN

Diese Skizze dient der groben Orientierung und kann kein ordentliches Kartenmaterial und eigene Tourplanung ersetzen. Ideal ist eine Radwanderkarte im Maßstab 1:50.000. Gute Karten zeigen lokale Radwegenetze, mit denen beide beschriebene Touren in einer gemütlichen Tagesetappe, zum Beispiel von Hövelhof-Riege, verbunden werden können - als Alternative zum Endpunkt Detmold

Anreise über den Bahnhof in Beelen (rund 8 Kilometer bis Greffen zum R1) oder über Warendorf (rund 10 Kilometer bis Greffen). Bis auf kleine Abstecher zu den beschriebenen Höfen folgt diese Route dem ausgeschilderten Radwanderweg R1. Über Harsewinkel nach Marienfeld, vor Marienfeld an der L927 Straße den R1 rechts zum Hof Kuhre kurz verlassen. Auf dem R1 über Marienfeld Richtung Gütersloh.

Um den Hof Meloh zu besuchen, an der L788 rechts bis zur Emssiedlung fahren. Dort links abbiegen, dem Weg folgen, an einer Weggabelung rechts halten. Bald wird eine T-Kreuzung erreicht, dort rechts abbiegen. Diesem Weg über die Ems und der Umgehungsstraße (Brücke) bis zur L927 folgen. Dort links Richtung Hof Meloh (rund einen Kilometer). Insgesamt vom R1 zum Hof Meloh knapp sieben Kilometer. Gleiche Strecke zurück Richtung Gütersloh.

Wer in Gütersloh übernachten möchte, verlässt den R1 unmittelbar hinter dem Dalkebach (vor dem Klärwerk) und folgt einem anderen Radweg nach links in die Stadt (rund 3 Kilometer). Der Hof Schröder liegt auf der weiteren Route des R1 rund vierhundert Meter abseits des R1, an einem Abzweig auf der Kiebitzstraße bleiben und unter der Bahnüberführung hindurch fahren.

Dem R1 bis nach Verl folgen. Der Hof Große Wächter liegt im Ortsteil Sende, dazu dem Radweg an der L787 folgen (rund 3,5 Kilometer), der R1 knickt kurz hinter Verl am Ölbach ab. Ansonsten den R1 durch den Holter Wald und über Hövelhof-Riege folgen. Der Hof Aschof liegt rund drei Kilometer abseits der Route, dazu an der großen Straße L756 links Richtung Stukenbrock halten. Der R1 führt über Augustdorf weiter nach Detmold (Bahnhof), ins Lipperland mit seinen Attraktionen wie Externsteine, Hermannsdenkmal oder Adlerwarte Berlebeck.

Greffen bis Gütersloh Abzweig rund 30 Kilometer.
Gütersloh Abzweig bis Verl rund 27 Kilometer.
Verl bis Detmold rund 45 Kilometer.
(alle Angaben für den R1, ohne Abstecher)

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Delbrücker Spargelroute

Der schiefe Turm von Delbrück, markantes Zeichen der Stadt im Paderborner Land. Stolze 65 Meter hoch und zwei Meter gegen den Wind geneigt, der Kirchturm von St. Johannes Baptist und von jeher Wegweiser in die Stadt. Doch hier und heute geht es hinaus, zu Pionieren. Die "Delbrücker Spargelroute" führt auf angenehm zu radelnden 32 Kilometern Rundkurs hin zu denen, die Delbrück mit einer Spezialität weithin bekannt gemacht haben - zu den Spargelproduzenten.

Einer von ihnen ist nach wenigen Minuten erreicht. Hans-Josef Brautmeier führt durch den Betrieb. Familie Brautmeier gilt als Pionier in Sachen Spargel, hier im Delbrücker Land. Aber eigentlich fing alles noch ein bisschen früher an. Im Garten von Landarzt Schmidtmann, vor rund 50 Jahren. Der probierte in seinem Garten, ob´s was mit dem königlichen Gemüse werden könnte. Wurde was. Dauerte aber noch. Brautmeiers schließlich wagten in den 70er-Jahren den gewerblichen Anbau, 50 Hektar bewirtschaftet Hans-Josef Brautmeier heute mit Spargel. Angefangen mit einer kleinen Ecke neben den Erdbeerfeldern.

Der Boden im Delbrücker Land, der erwies sich bald als ideal für den Anbau. Sandig, mineralische Zusammensetzung passt, und der Grundwasserhorizont ideal. Inzwischen kommen im gesamten Delbrücker Raum rund 350 Tonnen Spargel pro Jahr in den Verkauf. Die Sortier- und Schälmaschinen laufen in der Saison beinah unablässig. Die Schälmaschine, sagt Hans-Josef Brautmeier, schaffe 6000 Stangen pro Stunde, sechs Messer, zwölf Schnitte, rasend schnell. Kistenweise Stangen, geerntet von hundert Helfern. Etablierte Routine. Und Hans-Josef Brautmeier ist längst wieder Pionier. Auch außerhalb der Saison gibt es hier frischen Spargel, der kommt per Luftfracht. Der kommt aus Ägypten. Produziert vom Kooperationspartner nach Brautmeiers Vorgaben im Nildelta. Schmeckt köstlich. Auch nach Johannis-Tag.

Die Fahrt geht Richtung Boker Kanal. Und was dahinten aus der Ferne wie ein großer See aussieht, ist bei näherem Hinsehen eine Spargelkultur, deren Folien in der Sonne gleißen. Pappeln rauschen leise im Frühjahrswind. In der Abgeschiedenheit des Delbrücker Landes fliegen die Kilometer leicht dahin. Kleines Zahlenspiel am Rande: Auf einem Hektar Spargelkultur stehen sechs Kilometer Damm, das macht allein für den Betrieb Brautmeier 300 Kilometer. Pro geradeltem Kilometer auf der Delbrücker Spargelroute also fast zehn Kilometer Damm, in denen die leckeren Stangen jetzt heranreifen - allein bei Brautmeiers.

Alois Grewing geht durch die Reihen. Unter der durchsichtigen Folie ist gut zu erkennen, wo der Spargel nach oben drückt - an der kleinen Aufwölbung im Sanddamm. Routiniert legt der Landwirt die Stange frei und sticht sie ab. Eine. Wie viel intensive Arbeit Spargel heißt, ahnt der Kunde kaum. In der Saison heißt das, Schaffen rund um die Uhr. Der Ostwind frischt empfindlich kühl auf. Fühlen Sie mal! Und tatsächlich, dort wo eben noch der Spargel wuchs ist der Sanddamm warm wie eine winterliche Wohnstube. In der Scheune zeigt er noch schnell die Jungpflanzen, die bald in die Erde kommen. 25 schlauchartige Wurzel baumeln daran, zu verlegen von einem sonderbaren Gerät, in unglaublicher Langsamkeit ganz bald. Spargel, sagt er, das ist Arbeit das ganze Jahr.

Und um sein Restaurantzelt muss er sich auch noch kümmern. Es steht schon neben dem Hof, die Tische werden mit Kerzen und Blumen liebevoll dekoriert, der Blick nach draußen schweift über den alten Obstgarten und die Spargelkulturen. Freitags und Samstags (Buffet ab 18 Uhr) sowie Sonn- und Feiertags ab 11 Uhr á la carte heißt das bei Grewings: Spargelessen, satt und zum reellen Preise - mit Schnitzel und Schweinefilet, mit Schinken und Rührei, dazu ein schöner Wein und frischgezapftes Pils. Für das Spargelschlemmerzelt kann eine Reservierung gewiss nicht schaden, und für Gruppen ab 15 Personen öffnet Familie Grewing (0 29 48 - 2 90 16) gern nach Absprache. Freie Zeit, für einen Spargelproduzenten dieser Tage eine Rarität.

Vorbei an Pappeln und Eichen, munteres Vogelgezwitscher und des Windes Lied in den Kronen der Bäume. Der Boker Kanal - eine historische Bewässerungsanlage, die Wasser von der Lippe abzwackt - wird gequert und der Hof von Familie Lohrmeier erreicht. Juniorchef Frank Lohrmeier betritt in dieser Saison Neuland. Nach seiner Umschulung vom Industriemechaniker zum Gärtner führt der 35-Jährige nun die Geschicke in Sachen Spargel. Auf dem Feld fährt der Traktor samt angehängter Pflanzmaschine sehr langsam seine Runden, seit 20 Jahren bauen Lohrmeiers Spargel an, jetzt kommt wieder eine Kultur dazu.

Auch der kleine Hofladen muss eingeräumt werden. In der Kühlung stehen schon die ersten Kisten mit dem Spargel. Das Wasserbecken für die Schnellkühlung ist bereits auf eisige Temperaturen heruntergekühlt. Keine Frage, es geht los. Für Frank Lohrmeier, auch dies keine Frage, eine spannende Sache. Und dass er die neue Kultur wohl vor Fraßfeinden schützen muss, ist auch klar. Die - Rehe - standen kürzlich in sicherer Entfernung auf einem anderen Feld und schauten dem Radler hinterher.

Kapellen und Bildstöcke zeigen an vielen Orten auf der Radroute, wie tief der Glaube im Delbrücker Land verwurzelt ist. Über ruhige Weg geht es weiter nach Norden, bevor die Route Richtung Westenholz abknickt, lohnt ein Abstecher zum Hof Milsmann. Der liegt zwar nicht an der "Delbrücker Spargelroute", sondern in Rietberg-Mastholte, lohnt die Anfahrt aber unbedingt, weil schnell und einfach erreichbar. Und vor allem dann, wenn sich der Radler noch nicht mit Proviant oder Köstlichkeiten für das heimische Spargelessen versorgt hat.

Dazu an der Kreuzung Wiebelerstraße (Route)/Wulfhorsterstraße die Wulfhorster (K40) einen knappen Kilometer nach links (Nordwest) fahren, am Landgasthaus "Roseneck" - mit Biergarten und Restaurant - links in die Haselhorsterstraße einbiegen, nach rund 1,7 Kilometer liegt der Hof Milsmann auf der rechten Seite. Auch hier laufen die Vorbereitungen zur Spargelsaison auf Hochtouren. Wilfried Milsmann ist in der Scheune mit Arbeiten an der Sortiermaschine beschäftigt. Ursula Milsmann schließt den feinen Hofladen auf - und dem Genießer läuft das Wasser im Mund zusammen. Schinken und Schmalz, Mettwurst und Marmeladen - alles nach feiner handwerklicher Tradition - , Brot, selbst eingelegte Gurken, feine Weine, Erdbeeren. Neben dem Spargel, gibt es hier alles, was zu einem perfekten Spargelessen dazu gehört.

Und für den Rückweg nach Delbrück kann hier ordentlich richtig gut und umfassend Proviant gefasst werden. Zurück auf der "Delbrück Spargelroute" geht es über Westenholz zurück in die Stadt mit dem schiefen Kirchturm. Ein herrlicher Sonntagnachmittag neigt sich dem Ende zu, leider. Es ist eine schöne Tour, eine ruhige. Durch Feld und Flur, vorbei an Fachwerk und Pferden, die gerade wie wild über ihre Koppel rasen. Kopfweiden stehen in der Ferne in Reih und Glied, in einem liebevoll gepflegten Bauerngarten blühen bunte Blumen. Zu hören ist nur das Rauschen des Windes in den Kronen der mächtigen Eichen. So ist es, das Delbrücker Land, eine stille Schönheit. Und voller Köstlichkeiten. Und ganz bald, da vorn, da ist schon - der schiefe Turm von Delbrück.

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Infos DELBRÜCKER SPARGELROUTE

Es ist ein rund 32 Kilometer langer Rundkurs, der idealer Weise auf dem Wiemenkamp im Zentrum von Delbrück beginnt. Er ist in beiden Richtungen vorbildlich ausgeschildert. Der Hof Milsmann liegt nahe der Route auf Rietberger Gebiet (Anfahrtsbeschreibung im Text), die Höfe Grewing und Lohrmeier liegen direkt an der Route. Der Hof Brautmeier wird erreicht, wenn an der Stelle wo die Route die Straße "Knochenhorst" auf den Wiesenweg verlässt dort geradeaus in die Straße "Am Bauhof" gefahren wird (ein kurzes Stück mit 90 Grad Kurve). Die im Text beschriebene Tour verläuft zu erst in südliche, dann in westliche Richtung - und über Westenholz zurück nach Delbrück.

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Münsterland

Das Münsterland ist Radlers Paradies! Auf stillen Pättkes vorbei an stattlichen Bauernhöfen und durch beschauliche Dörfer, viel Natur in der herrlichen Parklandschaft. Und die Wasserschlösser, beeindruckend und wunderschön und so viele davon! Stille und schöne Tage auf dem Lande also. Und noch eines: Landleben mit allen Sinnen genießen - kommen Sie mit unserem Journalisten Oliver Abraham auf die Spur des Spargels.

Auen, Schlösser und viel Genuss

Still liegt die Stever. Dunkles Wasser und sattgrüne Aue. In der Ferne stehen urtümliche Rinder, Wildpferde grasen auf der saftigen Naturweide. Der Wind frischt auf, kräuselt das Wasser des kleinen Flusses Stever und summt in den Kronen der Bäume die Melodie eines schönen Tages im Spätfrühling. Weiße Wolken schweben vorüber und die Fahrradreifen greifen in den Sand. Ein Pättken führt hoch zum Hof, auf einer Anhöhe über der Steveraue steht das stattliche, alte Bauernhaus unter mächtigen Eichen. Ein Storchenpaar fliegt vorüber. Willkommen im Münsterland.

Mittagstunde. Genau der richtige Zeitpunkt für die Anfahrt auf den Hof Schulze Kökelsum bei Olfen. Spargel bauen sie an, Erdbeeren auch, und haben auch ein Hofcafé samt wohl sortiertem Laden. Das schwer bepackte Fahrrad an die Wand gelehnt und mit Vorfreude auf kulinarische Köstlichkeiten ins Café. Heller Holzfußboden, rote Backsteinwand und auf dem Tisch steht rasch eine Terrine leckerer Spargelcreme-Suppe, altes Familienrezept von Maria Schulze Kökelsum. DAS ist der perfekte Einstieg, um auf der Spur des Spargels zu radeln. Landleben also, und dies mit allen Sinnen auskosten.

Durch den Hofladen zieht das köstliche Aroma von frisch gebackenem Brot. "Das Backen wir jeden Tag in unserem Steinofen selbst", sagt Maria Schulze Kökelsum. Es steht noch Strecke an und Proviantierung tut Not, besser, echter, als im Hofladen geht es wohl kaum. Also: ein paar luftgetrocknete Münsterländer Mettwürste und etwas von dem herrlichen Brot passt noch in den Rucksack. Für ein Bier im gemütlichen Garten ist es leider noch zu früh. Maria Schulze Kökelsum verschwindet in der Küche, "Storchentorte" backen. Und der Radler tritt in die Pedalen.

Schnell ist das bekannte Schild mit dem grünen Torbogen auf weißem Grund wieder gefunden - unterwegs auf der "100 Schlösser Route", tiefer hinein in das Münsterland. Auf perfekter Patt nach Norden, leicht hügeliges Land, durch Feld und Flur, wogende Getreidefelder, Klatschmohn verblüht in verschwenderischem Rot am Wegesrand. Eine Kastanienallee bewacht Radlers Route auf dem Weg nach Lüdinghausen, irgendwo schreit ein Hahn, dahinten stehen Pferde. Ach, Westfalenland.

 

In Lüdinghausen stehen zwei Stopps auf dem Plan: Die prachtvolle Wasserburg Vischering - und der Hofladen von Agnes Böcker, gelegen auf dem Gut Forstmannshof an der B58 nach Ascheberg raus. Hof, Ambiente, Gesamtgefüge - wunderschön! Agnes Böcker serviert Erdbeeren mit Quark und Zimt und Ehemann Eberhard erzählt, wie es anfing mit dem Spargel. Denn rund um das Gut gleißen weiße Planen in der Sonne und das Gemüse reift jetzt rasch tonnenweise heran. 1991 fuhren sie die erste Ernte ein, mit gerade mal einem Hektar fing es an, der Verkauf wurde aus der Garage organisiert. Spargel, das hatten sie auf dem Forstmannshof noch nicht. Dabei ist der Boden rund um den Forstmannshof bestens geeignet, sandig, humos, viele Mineralstoffe, tiefer Wasserstand - und deshalb war der Versuch mit dem Spargel auch ein großer Erfolg.

Und aus dem Garagenverkauf wurde ein Hofladen mit 250 m² Verkaufsfläche, der im besten Wortsinn ausgezeichnet ist. In der Saison natürlich Spargel. Neben sämtlichen regionalen Spezialitäten - Schinken, Wurst, Käse - auch Erdbeeren und Himbeeren und Produkte daraus. Denn mit dem Anbau von Beeren hat es bei Böckers auch ganz gut geklappt. Und noch eins: Kornbrannt. Der gehört zum Münsterland wie der Schinken und der Spargel. Und was sie hier aus dem klaren Schnaps machen, ist wie bei den Schotten und dem Whisky - Faßausbau. Lange Jahre Reifezeit im Eichenfass verleihen dem klaren Destillat einen hervorragenden, milden Geschmack und ein köstliches Aroma. Der Rucksack füllt sich.

 

 

Kurze Rast auf dem Weg nach Senden, am Ufer der Stever die Schale mit den frischen Erdbeeren leer futtern. Der Hof Grothues-Potthoff hat ein schönes Café und weil Kaffeestunde ist, steht bald ein köstliches Stück Erdbeerkuchen auf dem Tisch. Spezialität des 800jährigen Hofes aber ist der Spargel. Josef Grothues schiebt die gelbe Schiebetür zur Seite, in der Kühlhalle ist es mit 2° erfrischend, zentnerweise lagert der Spargel in den blauen Kisten. Stille Betriebsamkeit, heute gestochen, morgen auf dem Markt. Aber nach Johanni ist Schluss, dann nämlich, sagt der Chef, brauchen die Wurzeln Zeit, sich im schwarzen und humosen Sandboden zu erholen. Tanken Kraft für die nächste Saison.

Durch einen verwunschenen Wald windet sich das Pättken nach Nottuln. Zu Westfalen allgemein und zum Spargelessen im Besonderen gehört vor allem eins: echter westfälischer Knochenschinken. Wenn Du richtig leckeren Schinken willst, dann fahr zu Waltering nach Nottuln, hieß es unterwegs. Fleischermeister Stefan Waltering hat seinen Beruf dieser Köstlichkeit verschrieben, ist zu dessen Berufung geworden. Er bietet eine hauchdünne Scheibe zum Probieren an. Absolut lecker ist das, was bis zu einem Jahr in den Reiferäumen zur kulinarischen Spitzenklasse heranreift. Ausgesuchte Stücke vom Schwein, Einsalzen und dann viel Ruhe - so wird aus Fleisch ein echter Schinken. Wie genau das geht, bleibt lang gehütetes Familiengeheimnis. Aber dieser feine nussige Geschmack, Herr Waltering, wie kommt der Zustande? Es läge, verrät er, am Knochen, der bis ganz zum Schluss im Schinken bleibt und ihm dieses unnachahmliche Aroma verleiht. Also wenigstens doch ein kleines Geheimnis gelüftet.

Stefan Waltering legt großen Wert auf reine Handarbeit. Auch das Einsalzen geschieht wie seit alters her, dauert mehrere Wochen - so zieht es tief in das Fleisch ein. Salzen und Waschen und nun die Reifezeit, viel, viel Ruhe braucht das gute Stück jetzt, um ein echter Westfälischer Knochenschinken zu werden. "Den Rest regelt jetzt die Zeit, sonst gar nichts!", sagt er. Nicht ganz, noch ein kleines Geheimnis: Unterschiedliche Luftfeuchtigkeit und Temperatur sei wichtig, erklärt der Meister, der Schinken müsse atmen. Er fühlt über Monate die Schinken, riecht an ihnen. Und irgendwann weiß er, wann der richtige Zeitpunkt zum Anschnitt gekommen ist.

Und nur absolutes handwerkliches Können und Wissen, das über Generationen weitergereicht wird, führt schließlich zum Spitzenprodukt. "Am Ende seiner Zeitreise hat der westfälische Knochenschinken mehr als die Hälfte seines Ausgangsgewichtes verloren", erklärt der Fachmann. Und dabei so sehr an Aroma gewonnen. Die Westfalen, die wissen halt, wie´s geht! Früher, als in Westfalen der Himmel wirklich noch voller Wurst und Schinken hing - beziehungsweise am Kamin - fiel der traditionelle Schinkenanschnitt meist in den Mai. Also in die Spargelzeit - und das Spitzenduo war geboren!

Kurz vor Billerbeck stehen turmhohe Pappeln, in deren Kronen der Wind sein ewiges Lied singt. Auf irgendeinem Hof kräht der Hahn, der Hund antwortet. Pferde stehen auf der Koppel und schauen dem Radler hinterher. Hinter dem Ort stehen Obstbäume Spalier, auf denen köstliche Äpfel heranreifen, doch so weit ist es noch nicht. Jetzt ist Erdbeerzeit. Und der nächste Hofladen hat bestimmt was Schönes.

Reger Betrieb im Hofladen auf dem Beerlager Spargelhof Heilers-Lülf, kistenweise königliches Gemüse, glänzend weiß. Eine Broschüre mit den Lieblingsrezepten gibt Anregung für´s Zaubern in der heimischen Küche. Ferdinand Lülf führt in den Sortierbetrieb. Spargel wird in unterschiedlichen Sortierungen angeboten, erste Sorte 1A, 16 bis 24 Millimeter im Durchmesser, reinweiß und mit geschlossenem Kopf - dies ist das Beste, was sie haben. Wer aber sortiert 12 Hektar Spargel in die Kisten der Kategorien? Eine sonderbare Maschine macht das! Nach der Wäsche und dem Eisbad verschwinden die Stangen in einem Aperrat, dessen Herzstück eine Kamera ist.

Das Ding misst Dicke und Krümmung und zählt - und sortiert dann automatisch. Früher hat die ganze Familie von Hand sortiert, erzählt der Agrar-Ingenieur. Seine Diplom-Arbeit handelte natürlich von - Spargel. Zur der Zeit, als Spargel noch nicht in aller Munde und nur etwas für Leute mit dicker Geldbörse war, wurde Ferdinand Lülf einst neugierig. Die Zeiten haben sich glücklicherweise geändert, Neugier und Innovation der Erzeuger sei Dank. Die Stangen sausen über das Förderband und kommen in die Kisten. Im Kühlraum zeigt er noch was: kleine Spargelköpfchen, einfach so zum Essen. Probieren Sie mal! Lecker, schmecken wie junge Erbsen. Und lassen sich prima einfrieren.

Zwölf Uhr ist durch. Das Historische Brauhaus Klute, davon hat man schon gehört, das bietet sich perfekt zur Rast an. Es ist nicht weit weg, es kombiniert Spargel, Schinken mit einem selbstgebrauten Super-Bier - und es ist richtig, richtig gut. Das Frischgezapfte steht als erstes auf dem Tisch und bald schon kommt der große Teller. Über die Tische spannt sich ein makelloser Himmel und die Sachen schmecken so gut, dass man kaum mehr weiter mag. Muss aber sein. Und im Rucksack ist doch noch Platz für eine Flasche von diesem köstlichen Bier.

Rauf und runter, links und rechts, rauf und runter - hinter Havixbeck windet sich das Pättken durch einen schönen Laubwald, begleitet einen Bach. Schöne Natur und das Grün der mächtigen Buchen leuchtet in Licht. Vogelrufe hallen durch den Wald und bald taucht versteckt hinter Linden das Wasserschloss Burg Hülshoff auf. Das Rad muss am Eingang abgestellt werden, der Park mit seinen prächtigen Bäumen lädt zum Spazieren - im Schatten von Eiche und Walnussbaum, unter Mammutbaum und Tulpenbaum lässt es sich herrlich bummeln. Zu Kaffee und Kuchen in den Schlosshof, und ein Museum erinnert an das Wirken und Leben der großen Literatin.

Schnell ist Münster erreicht, hier lässt sich mehr als ein Tag verbringen. Doch des Radlers Route folgt dem Schild mit dem Torbogen darauf östlich aus der Stadt und biegt an der Pleistermühle, an der Werse nach Norden ab. Unterwegs Rast in einem Biergarten mit Deck direkt am Wasser. Die Werse dunkelt unergründlich grün, Frösche quaken, Vogelgezwitscher. Die Äste hängen bis in das stille Wasser, dschungelartig, Kanuten ziehen vorüber. Später kurvt der Feldweg durch Getreidefelder, über Kopfsteinpflaster vorbei an einer alten Mühle. Oben auf dem Hügel steht ein altes Gasthaus unter gewaltigen Bäumen. Von der Hochbrücke kurz vor Gelmer ein Blick auf den Fluss hinab - Baumstämme liegen darin, Fische blinken, Strudel strudeln. Und dahinten blinken Folien auf dem Feld und erinnern an leckeres Essen:

Die Spargelscheune ist voll. Auf den liebevoll dekorierten Tischen stehen die soliden Spargelportionen dampfend vor den Gästen. In der Saison räumt Familie Lütke-Laxen im Münsteraner Ortsteil Gelmer die Scheune leer und serviert an den Wochenenden Spargel vom eigenen Hof - zum satt essen, zum reellen Preis. Die Fahrradständer und der Parkplatz sind schon am späten Vormittag voll, sehr beliebt diese schöne Spargelscheune. Aber auch der einzelne Radler findet seinen Platz und holt sich sein verdientes Gericht. Gruppen ab 20 Personen können nach Anmeldung auch in der Woche genießen.

Heike und Burkhard Lütke-Laxen haben alle Hände voll zu tun und zeigen doch schnell den Betrieb und die Felder, auf denen der Spargel unter den Folien heranreift. Dreißig Zentimeter tief stecken die Stangen im Damm und dort, wo die Erde kleine Risse zeigt setzen die Erntehelfer das Stechmesser an. Schnell ins Wasserbad, sortiert und frisch in den Hofladen. Oder auf den Tisch. Lecker. Und nach dem Essen lohnt ein Ausflug in die nahen Rieselfelder. Ein Vogelparadies, gleich hinter dem Kanal. Und für Gruppen organisieren sie auch einen Ausflug dorthin. Eine Vorführung der Spargelernte ist nach Absprache ebenfalls möglich.

Bald ist die Ems überquert und die Route führt auf stillen Pfaden durchs´s Land nach Ostbevern. Zuchtfirmen in Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland produzieren die Spargelsaat, erklärt Elmar Möllenbeck, die Vermehrer ziehen Jungpflanzen. Und die pflanzt er dann auf seinen Feldern an. Seit den 90er Jahren ist auch der Habichtshof nahe Ostbevern groß im Spargelgeschäft, aus dem anfänglichen, vorsichtigeren einen Hektar sind inzwischen 18 geworden. Als der Spargelanbau anlief, haben sie aus der alten Scheune ein Café gemacht. Auf der Karte - natürlich - das Edelgemüse vom eigenen Hof. Mit Schinken, Rührei und Kartoffeln oder als köstlicher kalter Spargelsalat, den Nicola Möllenbeck draußen unter alten Apfelbäumen serviert. Stockrosen ranken an den alten Ziegelsteinen, Vögel zwitschern und der Wind rauscht in den Kronen der mächtigen Bäume. Ein herrlicher Tag, köstlich!

Wieder auf der Strecke und mitunter völlig allein, es sind stille Tage im Münsterland, aber keine einsamen. Das Fahren mit dem voll gepackten Rad - und dem auf jeden Hofladen immer wieder aufgefüllten Rucksack - ist autarkes Vorwärtskommen, absolute Freiheit, und von morgens bis abends ein tolles Gefühl. Der Wind spielt mit und schiebt, Greifvögel lassen sich von der Thermik hoch und höher tragen. Wie jeden Tag ist immer ein schöner Platz für die Rast gefunden, auf Baumstämmen, Bänken oder einfach so im Gras. Windrauschen und empörtes Fasanengetöse und die Sonne scheint.

Füchtorf, ein großer Name in Sachen Spargel, rund um den Ort gleißen die Planen in der Sonne. Der Standort ist wichtig für Qualität und Geschmack des Spargel, Füchtorf hat da eindeutig Pluspunkte: grobkörnigen Sand, gut verteilte Niederschläge wegen der Stauwetterlage am nahen Teutoburger Wald. Muss halt nur noch die Temperatur mitspielen, je wärmer es ist, desto schneller steigt die Bodentemperatur an - optimal wächst Spargel rund zweieinhalb Zentimeter am Tag. Denn wenn er schön schnell wachse, bilde der Spross weniger Lignin aus - dies macht den Spargel zarter, süßer. Interessante Informationen auf dem Spargelhof Kreienbaum, Inhaber Willy Kreienbaum ist übrigens als einer der ganz wenigen Spargelanbauberater weltweit im Einsatz - in Kambodscha zum Beispiel oder in Südafrika.

Der Wind frischt auf und lässt die Pappeln rauschen. Wieder stehen Erntekolonnen auf einem fernen Feld, holen pro Saison pro Meter dreißig Stangen aus dem Sanddamm. Das Stechen übrigens erfordert Können und Erfahrung, wer rumstochert macht die Pflanzen kaputt. Und Spargelanbau ist kein schnelles Geschäft: Vom Stecknadelkopfgroßen Saatgut bis zum ersten Anstich vergehen vier Jahre mit viel Arbeit. Wer denkt schon daran, wenn er kilometerlang an den Sanddämmen entlang radelt in denen verborgen das Edelgemüse heranwächst. Mut und Können der Münsterländer Landwirte haben aus dem einstigen Reiche-Leute-Essen einen Genuss für Jedermann gemacht.


Tour-Infos:

Die gesamte Tour ist angelehnt an die 100-Schlösser-Route


OLFEN - Lüdinghausen - SENDEN (ca. 34 Km)
Burg Vischering
Einkehr: unter anderem Schulze Kökelsum (nahe Olfen) und Grothues-Potthoff (nahe Senden)
Hofladen s.o. und Gut Forstmannshof (nahe Lüdinghausen)

Anreise über den Bahnhof in Selm, von dort auf der Route nach Westen Richtung Olfen. Der "Kökelsumer Bauernladen & Café" liegt nordwestlich des Ortes (Kökelsum 2). Dann der Route nach Norden Richtung Lüdinghausen folgen. Das Gut Forstmannshof liegt an der B58 Richtung Ascheberg (Westrup 10). Dann an der Burg Vischering vorbei nach Norden Richtung Senden. Zum Hof Grothues-Potthoff den Kanal nach Osten folgen, unter der Straßenbrücke durch, an der ersten Brücke links hoch zur großen Straße K4.


SENDEN - Nottuln - BILLERBECK (ca. 32 Km)
Kolvenburg
Exkurs: Schinken (Fa. Waltering in Nottuln)
Einkehr: unter anderem in Billerbeck

Von Senden der Route nach Nordwesten folgen, an Appelhülsen vorbei nach Nottuln. Firma Waltering liegt an der Siemensstraße östlich der Appelhülsener Straße. Dann der Route nach Norden Richtung Billerbeck folgen.

BILLERBECK - Havixbeck - MÜNSTER (ca. 37 Km)
Burg Hülshoff
Haus Rüschhaus
Hofladen: Heilers-Lülf (östl. von Billerbeck)
Einkehr: unter anderem Brauereigasthaus Klute (nahe Havixbeck) - Spargel, Bier und Schinken!
und/oder Burg Hülshoff

Billerbeck in östliche Richtung verlassen. Nach einiger Zeit knickt die Route scharf nach Norden ab und folgt kurz einer Landstraße. Der Hof Heilers-Lülf liegt bald nahe der Route (Temming 16, "Beerlage"). Gasthaus Klute liegt zwischen dem Hof und Havixbeck (Poppenbeck 28, "Hangsbeck"). Dann weiter durch Havixbeck nach Osten Richtung Münster, vorbei am Wasserschloss Burg Hülshoff.

MÜNSTER - Westbevern - OSTBEVERN (ca. 35 Km)
Diverse Museen und Kulturangebote in Münster, Zoo
Einkehr/Hofladen: unter anderem Lütke-Laxen (in Münster-Gelmer)

In Münster bieten sich wegen des Angebotes (Museen, Zoo, Stadtbummel u.ä.) zwei Übernachtungen an. Der Route Richtung Osten folgen, dann am Fluss Werse nach Norden (links) abbiegen, dieser Route an Handorf vorbei nordwärts Richtung Gelmer folgen. In den Ort hinein, kurz vor dem Kanal liegt der Hof Lütke-Laxen (Gittruper Straße 43). Die Route knickt bald nach Osten ab, ihr über Westbevern nach Ostbevern folgen.

OSTBEVERN - FÜCHTORF (ca. 30 Km)
Einkehr/Hofladen: unter anderem Habichtshof (östl. Ostbevern)
Hofladen u.a.: Spargelhof Kreienbaum

Der Habichtshof liegt östlich von Ostbevern, Schirl 55 ("Im Igen", "Rottwinkeler Heide", südlich der B51 nahe der Route). Der Route ostwärts Richtung Füchtorf folgen. Der Spargelhof Kreienbaum liegt südlich des Ortes an der Gröblinger Straße 62. Der Route über Sassenberg Richtung Warendorf (Bahnhof) folgen.

Die Kilometerangaben sind eine grobe Abschätzung. Unverzichtbarer Teil einer Radreise ist gutes Kartenmaterial, in diesem Fall haben die beiden Radwanderkarten "Radregion Münsterland" (Kreise Coesfeld und Warendorf) der BVA unverzichtbare Dienste geleistet. Die vorangehend in Anführungsstrichen gesetzten Örtlichkeiten beziehen sich auf diese Karten. Vor Ort ist die Route hervorragend ausgeschildert (grüner Torbogen auf weißem Grund) und führt abseits großer Verkehrswege durch eine reizvolle Landschaft. Aufpassen, wo sich Routen kreuzen oder teilen - die "100 Schlösser Route" besteht aus vier miteinander verbundenen Rundkursen. Eine gute Übersicht bietet die Karte "100 Schlösser Route" von Münsterland e.V., die über die Besichtigungsmöglichkeiten und Lage der 110 eingezeichneten Burgen, Schlösser und Herrensitze informiert. Info: 0800 - 93 92 91 9

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Niederrhein

So schön allein der Beginn dieser Reise: Der gepflasterte Innenhof liegt im sanften Abendlicht, ein Wasserspiel plätschert verhalten vor sich hin, Stockrosen blühen in den Terrakottatöpfen, die Leute haben es sich auf den gemütlichen Holzstühlen bequem gemacht und plaudern leise, die Gläser mit kühlem Weiswein sind beschlagen und klirren sanft beim Anstoßen auf einen schönen, romantischen Abend. Dies ist auch der Auftakt auf eine Reise, auf der Spur des Spargels zu kulinarischem Hochgenuss - hier auf dem Genholter Hof. Vor den Toren des schmucken Ortes Brüggen laden Gertrud und Hermann Ingenrieth zum Spargelbuffet.

In der Gaststube viel helles Holz, weiße Tischdecken, Kerzenschein; licht und leicht die Atmosphäre. Ein gelungenes, angenehmes Ambiente, gehobene Gastronomie und zwanglose Gemütlichkeit. Und dahinten an der Wand, da wartet das Buffet. Für Kreativität sind Ingenrieths über Brüggen und Bracht hinaus bekannt und Küchenchefin Birgit Winnikes ebenso: den Klassiker mit Butter, Kartoffeln und Kochschinken - na klar, aber auch Wraps mit Spargel und Schinken oder das Ragout mit Weiß- und Grünspargel. Lieber eine Spargelquiche oder doch den gebratenen Spargel mit diesem wunderbaren nussigen Geschmack? Dies hier ist nicht nur überaus köstlich, sondern Ideengeber und Ansporn für die heimische Küche. Muss Frau Winnikes nach dem Dessert - alles probieren! - noch was fragen.

Das, was auf den fünf Hektar Spargelfeldern des Genholter Hof von Familie Ingenrieth gestochen wird, landet nicht in der Küche allein, sondern auch im Hofladen. Tütenweise geht der Spargel, weißer wie grüner, auch heute Abend über den Tisch. Auch hier liegt der Schwerpunkt bei den Produkten auf Regionalität: Ziegenkäse, lecker eingelegt und vom Niederrhein, Obst nach Saison und aus der Gegend, Suppen und Wurst und rheinisches Birnenkraut auch. Wer für zu Hause noch Tipps braucht: Kochbücher gibt´s ebenfalls. Der Proviantrucksack des Reisenden auf der Spur des Spargels füllt sich langsam. Und an manchen Tagen weht der Duft von frischgebackenem Schwarzbrot durch den Hofladen - SO fangen gelungene Reisen an!

Am kommenden Morgen ein Besuch bei Ingrid und Paul Brinkman, ebenfalls gelegen im Brüggener Ortsteil Genholt. Die beiden Schälmaschinen laufen auf Hochtouren, das Wochenende naht und der Hofladen ist voll, die Kundschaft kauft kiloweise. Zwei Zentner Spargel sausen pro Stunde durch die Schälmaschinen, das Gerät mit den scharfen Messern klackt unablässig. Schnell leeren sich die Kisten, zwei Mal täglich stechen die Helfer die Stangen aus dem Sanddamm - Spargelsaison, das bedeutet für Familie Brinkman einen 18-Stunden-Tag. Und trotzdem, sagt Paul Brinkman, ist für interessierte Gäste nach Anmeldung Zeit für eine Feldführung, er erklärt die natürlichen Anbaumethoden gern.

Im Hofladen steht alles für ein Spargelmenü parat, Schinken, Wurst, Papiertüten voller Kartoffeln, weißer Spargel, grüner und auch violetter, und Eier. Im Übrigen auch ganz große Eier, Gänseeier: die schmecken übrigens viel intensiver. Geschmacksache. Eine Spezialität aber kommt aber garantiert mit in den Rucksack: die Niederrheinische Spargelkruste. Ein Weizen-Roggen-Brot mit geröstetem Sesam und Schnittlauch, schön knusprig außen und innen zart. Denn im Brot steckt frisch gestochener Spargel von Bauer Brinkman. Spargel also für unterwegs, in der Tat ein noch nicht erlebtes Geschmackserlebnis.

Jetzt im Mai und Juni wird im wahren Wortsinn geackert, bis zum 24. Juni. Dann brauchen die Spargelkulturen wieder Ruhe, um Kraft für die kommenden Saison zu sammeln, erklärt Paul Brinkman. Und dann, sagt er noch, dann setzen sie sich alle zusammen und feiern mit ihren Saisonkräften ein schönes Abschiedsfest. Nicht nur Spargel und die ausgesuchte Qualität in den Hofläden - hier wie anderswo - hat etwas mit Vertrauen zu tun; auch manche Mitarbeiter kommen nun zum zwanzigsten Mal zu Brinkmans auf die Felder zwischen Brüggen und Bracht.

Die Route führt aus Brüggen hinaus vorbei an einem naturnahen Auwald an der Schwalm, bald hinein in die ausgedehnten Forsten des Brachter Waldes. In diesem Wald kann sich der Reisende stundenlang aufhalten und ist doch immer auf neuen Pfaden unterwegs - ein 120 Kilometer langes Wandernetz lädt zur Expedition, ob zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Kernstück und Schatzkammer in diesem Forst ist das Gebiet eines ehemaligen militärischen Sperrgebietes, das nun auf ausgewiesenen Wegen betreten und befahren werden darf. Da es kaum land- oder forstwirtschaftlich bestellt worden ist, hat sich hier ein vielseitiges Landschaftsmosaik erhalten: kleine Kiefernwäldchen wechseln sich ab mit Heide und Offenflächen, es summt und brummt, Pfeiffengras weht im Wind. Seltene Vogelarten sind hier zu Hause: ab Ende April der Ziegenmelker gut getarnt am Boden oder auf dem Baum. Oder die Heidelerche - ebenfalls ein Zugvogel, der diese vielgestaltige Landschaft schätzt - und deren Gesang manchmal über der Heide und im Wald zu hören ist. Wer nach dem Exkurs durch diesen unbedingt besuchenswerten Teil des Brachter Waldes hungrig und durstig ist, findet auf halber Strecke Richtung Kaldenkirchen an der Grenze ein Gasthaus.

Der Weg aus Kaldenkirchen führt an weiten Feldern vorbei, ein Greifvogel lässt sich von der Thermik tragen, die Abendsonne zaubert im Wasserdunst der Beregnungsanlagen tausendundeinen Regenbogen, Beerenobst rankt am Spalier. Unterwegs zu Pionieren, unterwegs zum Spargelhof Bonnacker. Es ist spät am Tag, Feierabend eigentlich, doch in der Saison ist das für Landwirte in Sachen Spargel relativ. Willi Bonnacker ist geschäftig unterwegs zwischen Verladerampe und Büro, das Mobiltelefon in der Hand, der LKW wird beladen, das muss heute noch zum Großmarkt.

Hubwagen sausen durch die Halle, der Laster nach Köln wartet. Sechs bis sieben Tonnen des köstlichen Gemüse werden hier verfrachtet - pro Tag, und einen Ab-Hof-Verkauf gibt es natürlich auch. 1933 fing die Geschichte mit dem Spargel bei Bonnacker an, inzwischen sind es 60 Hektar, hier und heute notiert Willi Bonnacker 3900 Kilogramm auf dem Lieferschein und der Laster nach Köln ist reisefertig. Die blauen Kisten mit Klasse Eins und Zwei werden um ein Uhr nachts in den Kölner Hallen sein, und morgen früh schon im Geschäft.

Im Betrieb ist inzwischen Ruhe eingekehrt. Die Sortiermaschinen mit dem Kameraauge stehen still, bis sie morgen früh wieder auf Hochtouren laufen werden wie jeden Tag zwischen April und Sankt Johanni. Einstweilen Feierabend für die 110 Mitarbeiter, die im Spargel arbeiten. Willi Bonnacker reicht ein Schälchen Erdbeeren, die schmecken in der frischen, kühlen Abendluft zwischen Spargelfeld und Kaldenkirchen ganz köstlich. Und die Abendsonne zaubert im Dunst der Berwässerungsanlagen Regenbögen.

Heute steht viel Strecke an, Etappenziel ist der Spargelhof Goetzens nahe Kempen, vor dem Aufbruch noch ein Besuch auf dem Chico Spargelhof. Also, das voll gepackte Rad auf die Wirtschaftswege gewuchtet und in Richtung Grenze los. Unmittelbar vor den Niederlanden der Hofladen von Jaap Dings. Die Räder greifen in den Kies auf den Hof, die Planen über den Sanddämmen gleißen in der Sonne und hinten im Betrieb laufen die Maschinen auf Hochtouren, die Kisten auf dem Tresen voll mit frischem Spargel. Und: Zehn Sorten hausgemachter Salat - unter anderem Spargelsalat, Rindfleischsalat, Kohlsalat - in der Kühltheke und noch Platz im Proviantrucksack. Dass die freundlichen Damen während des Rundgangs mit dem Chef für den Radler eine Auswahl für unterwegs zusammenstellen - eine schöne Überraschung!

Jaap Dings geht in die Kultur, hebt die Plane, zeigt Spargelköpfchen, die den Sand mit charakteristischem Muster schon durchbrochen haben. Die müssen seit sechs Uhr früh wohl nachgewachsen sein, dann wird hier gestochen. An vielen, vielen Kilometern Damm - denn das Umland von Kaldenkirchen liegt auf leichtem Sandboden, und das ist gut so für den Spargel.

Hinter Kaldenkirchen führt die Route schnell in ein weiteres Naturschutzgebiet und der Reisende tut gut daran, ein Fernglas dabei zu haben. Die Krickenbecker Seen sind ein abwechslungsreiches Gebiet aus Wasser, Wäldern und Wiesen. Mit viel Glück an der Nette ein schneller Blick auf den Eisvogel. Und vom Beobachtungsturm am Großen de Wittsee in Ruhe die Zwergtaucher beobachten. Naturschützer sind dabei, die überaus seltene Rohrdommel wieder anzusiedeln. Sie braucht ausgedehnte Schilf- und Röhrichtbestände, die hier und heute am de Wittsee und anderswo im Naturschutzgebiet im Wind verhalten rascheln. Aus den Erlenbruchwäldern tönt das leise Hämmern der Spechte, Libellen surren über das dunkle Wasser, Bleßhühner ziehen still ihre Bahnen und diese abgehackten, fernen Rufe aus dem Schilf - es könnte ein Teichrohrsänger sein. Gut, dass neben dem Fernglas auch das Vogelbestimmungsbuch im Rucksack ist. Der Niederrhein - das ist auch ein Naturerlebnis. Hier an den Krickenbecker Seen. Und den Naturschützern und Naturfreunden ist zu wünschen, dass der meilenweit tragende Ruf der Rohrdommel wieder über die unergründlichen Wasser trägt.

Vorbei am Kloster Mariendonk führt die Niederrheinroute durch Kempen, dann Richtung Sankt Hubert, Wegweiser schließlich führen: zum Spargelhof Goetzens. Samstagmittag ist längst durch und der Hofladen ist rappelvoll. Geht der weiße, grüne und violette Spargel im Minutentakt kiloweise über die Waage - bis vier Uhr, zum Ladenschluss am Samstag, "ist immer genug Spargel da!", sagt Anni Goetzens in den wenigen Minuten, die sie für den neugierigen Radfahrer Zeit hat. Zeigt den Kühlraum mit den blauen Kisten: Nachschub von sieben Hektar Anbaufläche. Sortier- und Schälmaschine laufen auf Hochtouren. Und es ist natürlich der Einsatz der Mitarbeiter - zwei allein an der Schälmaschine -, die dafür sorgen: Kempen und Umgebung bleibt auch in der Saison wochenends nicht ohne Spargel. Und jede Stange davon ist Handarbeit. Die Bäume rauschen im Wind und Schwalben sausen in den Stall, als der Radler wieder auf der Route ist.

Felder und Pferdeweiden, Wiesen und Wäldchen, über dem einsamen Bildstock rauschen die Bäume. Hinter Wachtendonk genießen nicht nur Radler das ländliche Idyll, still lassen sich Paddler von der sanften Strömung der Niers nordwärts treiben. Pappelreihen stehen in der Ferne und da vorn an der Ecke lädt eine Bank zur Rast. Der Rucksack wie immer gut gefüllt, leckere Salate, Brot und zum Nachtisch eine Schale mit Erdbeeren. Zu hören fernes Traktorengeräusch, das Gezeter vom Fasan und das muntere Geplauder einer Gruppe Radtouristen, die aus der Gegenrichtung vorüber zieht. Ansonsten: wohltuende Ruhe und ein leckeres Picknick.

Weiter Richtung Straelen, der Wind schiebt, schön. Vor vierzig Jahren, sagt Hans-Theo Pasch, waren es Nullkommazwei Hektar Spargelkultur, heute sind es elf Hektar. Über die der grüne Traktor samt sehr eigenartigem Gerät langsam, ganz langsam seine Bahnen zieht. Dieses Ding, Pasch nennt ihn den "Spargelflieger", zieht automatisch und auf sieben Dämmen gleichzeitig die Folien hoch und verlegt sie nach dem Stechen wieder ordentlich - diese mühsame Arbeit bleibt den Männern erspart, effizienter arbeiten nahe Straelen. Mittig im Gerät hängen die Eimer mit den frisch gestochenen Stangen. Am Rand der Kultur stehen die Kisten mit dem kalten Wasser, hinein kommt dort der Spargel, bevor das Gemüse zum Spargelhof Pasch gebracht wird - jede halbe Stunde, Pendelverkehr.

Die Kisten mit dem Spargel kommen in den Hofladen oder in die Küche von Waltraud Pasch: Schon vor dem Besuch auf dem Feld war es fest versprochen - das leckere Spargelessen für den Radfahrer. Nach vielen Kilometern Strecke, trotz Picknick unterwegs, am Ende des Tages doch wieder voller Appetit. Das weiße Zelt hat Platz für hundert Leute, liebevoll gedeckte Bierzeltgarnituren mit Blumen darauf, dahinter lockt ein schmucker Biergarten und den Kuchen, den backt Waltraud Pasch natürlich selbst. Jetzt serviert sie ein Pfund Spargel, klassisch mit Kartoffeln, zerlassener Butter und gekochtem Schinken. Dazu ein kühles Bier und wieder klingt ein Tag auf der Spur des Spargels so aus, wie sich der Radler es erwünscht hat. So angenehm kann es sein, im Niederrheinischen bei den Spargelbauern.

Unterwegs also bei Landwirten aus Leidenschaft. Auch Willi Schoofs vom Nachbarhof gehört dazu. Er öffnet die schwere Tür, es wabert eiskalter, feiner Nebel durch den Kühlraum. Sprühsysteme sorgen dafür, dass das kostbare Gemüse nicht austrocknet bevor es in den Verkauf kommt, in den blauen Kisten stapeln sich die Stangen. Aber nicht lang, auch hier reger Betrieb in der Saison. Damit kein Gourmet mit leeren Händen - in den Regalen Brot, Erdbeeren, Schinken, Kartoffeln, feine Weine - nach Hause geht, stehen Schoofs morgens um vier Uhr auf. Zu Beginn der Saison sticht der Chef selbst mit - und er macht das gern. Morgen früh gleich wieder.

EXKURS WALBECK (siehe auch Walbecker Höfetour)

Hinter Walbeck verschwindet eine Nebenstrecke der Niederrheinroute bald im Wald. Schloß Walbeck, stattlich und von außen zu bewundern, verschwindet linker Hand, Buchen beschatten den Weg. Vom Haus Steprath mit seinen rot-weißen Fensterläden führt eine Eichenallee wieder in den Mischwald, Vogelrufe, Insektengesumm, eine Bank zur kurzen Rast. Später schauen dem einsamen Radler die Pferde hinterher. Kiebitze schießen über die Felder und Lupinen blühen in der Frühlingssonne. Mittagspause an einem verwitterten Tisch an einer Allee mächtiger Eichen. Wie vielen Reisenden mag dieser Platz ebenso einladend gewesen sein?

Spiel, Spargel - und viel Spaß. Fröhliches Kindergeschrei auf dem Spargelhof Janßen. Hart an der niederländischen Grenze in Weeze-Wemp hat sich Daniela Angenendt, Tochter von Heidi und Heinrich Janßen, ein Programm für die Kleinen ausgedacht, denn schließlich: Bauernhof macht Spaß! Und - wie kommt der Spargel eigentlich vom Feld auf den Teller? Für die Kinder der Grundschulklasse ist die Exkursion zwischen Sanddamm und Sortieranlage eine Riesengaudi - "Die Kinder sind begeistert, sie können ja auch selbst stechen und sortieren", sagt Daniela Angenendt. Und später speisen. 50 bis 70 Prozent der Kinder, so ihre Schätzung, haben Spargel schon probiert. Und mögen ihn offenbar, denn die Suppe - " . . . da kommen nur die Köpfchen rein!" - schmeckt allen köstlich.

Wer als reisender Radler Glück hat, bekommt im Hofladen von Heidi Janßen auch Suppe, selbst gekocht und zum mitnehmen. Sinnvoll, wenn abends eine Ferienpension mit Küche wartet. Der Abstecher von der Niederrheinroute zum Hof Janßen auch deshalb lohnenswert: in den Regalen Köstlichkeiten wie Bärlauchkäse oder welcher mit Pfeffer und allerlei Schinken und Wurst. Die Kühlung summt, darin auch Weißwein. Nie, nie wird der Proviantrucksack auf dieser Tour leer. Übrigens: Schinken und Wurst kommen im wahren Wortsinn vom Hof Janßen. Heinrich Janßen bewirtschaftet neben den Spargelkulturen auch einen Schweinebetrieb, das Fleisch metzgert ihm der Meister im Nachbardorf.

Heidi Janßen verschwindet indes, gerade vier Kilo Spargel verkauft und eine Runde geklönt, nach hinten. Die fünf Männer sind mit den Kisten vom Feld gekommen, eine gute halbe Tonne Spargel wandert durch die Hände, die Waschanlage, wird in der Checkliste abgehakt - und liegt bald darauf vorn im Laden. Worauf sich nicht nur große Genießer freuen! Aber nur noch bis "Spargel-Sylvester", Sankt Johanni naht. Und was für ein Gefühl ist es, wenn die letzte Kiste vom Feld kommt, die Sortiermaschine still steht und die Kisten vorn im Laden für fast zehn Monate leer bleiben? "Ein komisches Gefühl", sagt Heidi Janßen. Verständlich, die Spargelbauern leben und lieben ihren Beruf. Merkt man, schmeckt man. Hier im Niederrheinischen.

Unter den ausladenden Ästen alter Laubbäume und die Niers auf linker Seite ist Weeze schnell erreicht, bald schon Goch, Ortsteil Asperden. Der Wind kämmt die Krone der mächtigen Linde und die Reifen greifen in den weißen Kies auf dem Hof von Familie Ophey. Die Route ist hier und heute zu Ende, ein schöner Schluss bei Ursula und Peter Ophey, auf dem Ferienhof. Hier kommt zusammen, was das Niederrheinische auszeichnet: Ländliches Idyll, Urlaub auf dem Bauernhof, Spargelessen na klar, und: reiten! Ob mit eigenem Pferd zum Unterstellen, für Reitstunden auf dem Hof oder für Ausritte durch die stille, gefällige Landschaft - hier ist ankommen, ist runterkommen. Entspannen fern vom Alltag, rauskommen. Der Hof hat Anschluss an ein ausgedehntes Reitwanderwegenetz bis weit hinein in die Niederlande. Und Kutschfahrten, die gibt es auch.

Die Wohnungen so liebevoll eingerichtet wie gemütlich, der Hofladen hat alles für ein abendliches Spargelmenü in der Ferienwohnung (Küche!) mit Blick über die Spargelfelder. Abendstimmung. Die Kinder toben auf dem kleinen Spielplatz, die Schwalben sausen über den Hof und in den Kronen der Eichen, da singt der Sommerwind seine ewige Melodie. Und richtig: da ist ja auch noch Wein im Rucksack. Köstlich. Und einfach schön, so ein Urlaub hier bei den Leuten am Niederrhein.

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Walbecker Höfetour

Die Walbecker Höfetour war 2010 ein Highlight der Aktivitäten im Spargeldorf Walbeck. Redakteur Oliver Abraham hat diese Tour gemacht und seine Eindrücke beschrieben. Natürlich können Sie die einzelnen Stationen auch außerhalb des Aktionstages besuchen und genießen. Hier sein Bericht:

Schönheit. So viel Schönheit. Und wohin das Auge auch nur blickt. Bezaubernde Damen, betörende Blumen. Willkommen bei Orchideen Bremkens, Willkommen in Walbeck. Faszinierend in der Form, faszinierend in der Farbe - drei Hektar Orchideen unter Glas und die 29 Grad samt hoher Luftfeuchtigkeit wirken wie ein nasses Handtuch. Gut ist das für die blumigen Schönheiten, die in voller Pracht blühen: in der Hauptsache weiß - mit 30 Prozent die beliebteste Farbe - gefolgt von lila und gelb. Aber: "Wir bieten alle Formen an, und alle Farben", sagt Matthias Bremkens, Chef und Herr über Dreikommafünf Millionen Orchideen hier an der L480 vor den Toren Walbecks.

Das Dorf ist weithin bekannt für Spargel, dazu gleich mehr, und das Straelener Land ist ebenso weit über seine Grenzen bekannt für noch etwas: das Straelener Land ist Blumenland. Rund 200 neue Orchideen-Züchtungen wachsen pro Jahr allein bei Bremkens heran, die Zucht von Orchideen ist ein langes Geschäft. Und wer weiß heute schon, was in ein paar Jahren angesagt ist. Deshalb - alle Formen, alle Farben. Das Leben einer neuen Orchidee beginnt hier wie seit Alters her mit reiner Handarbeit. Seniorchef Johannes Bremkens, 82 (STAND 2010), bestäubt die Pflanzen per Hand mit Holzstäbchen. Dafür, dass am Ende wunderschöne Orchideen in voller Pracht erblühen und blumige Schönheit das Auge in aller Welt erfreuen, sorgen die 75 Mitarbeiter.

Eine Königin und eine Prinzessin sind fasziniert von so viel Pracht: Spargel-Adel, NRW-Spargelkönigin 2010 Farina Frantzen und Walbecks Spargelprinzessin 2010 Tanja Roosen, auf Besuch in der Orchideen-Schatzkammer. Einzigartige Formen, beeindruckende Farbspiele - das kann nur die Natur. Mit ein bisschen Hilfe von den Orchideenfachleuten, denn die wissen was dereinst richtig schön sein wird - Erfahrung von Bremkens und die Leidenschaft fürs Schöne. Die anderen Besucher; ebenso begeistert und ganz gewiss mit Ideen und reichlich Anregung in Sachen Blumenschmuck für zu Hause - alle Formen, alle Farben, für jeden Geschmack.
Endverbraucher können hier bei Bremkens Samstags von 11 bis 12 Uhr (STAND 2010) einkaufen oder wochentags und Samstags zu den regulären Öffnungszeiten bei den Firmen Leo Willemsen und Bernd Leukers, diese liegen nah bei an einer Nebenroute zwischen Kerken und Geldern.

Noch einmal Blumen, bevor die Tour sich den kulinarischen Köstlichkeiten widmet. Heinz-Willi Bouten ist in seinem Gartenbaubetrieb unterwegs, gibt Tipps für Beet und Balkon. Bei 150 verschiedenen Blumen für den Hobbygärtner sicher eine nützliche wie dankbare Hilfe. Und Anregung. Was brauche ich noch für meinen Garten? Was kann ich jetzt am besten pflanzen? Beim Gang durch die Gewächshäuser der Gedanke: das möchte ich auch haben! Gelb-orange Tagetes oder blaue Lobelien. Oder beide als farblicher Kontrast? Strohblumen für den Sommer. Also? Herrn Bouten irgendwo im Gewächshaus finden. Die Kundschaft weiß um Rat und Tat, kommt deshalb hierher - der Auswahl wegen und der Kompetenz vom Gärtnermeister Bouten, so wird's richtig gut.

Mittagstunde. Das Rad rollt auf dem Spargelhof Kisters aus. Die alte Windmühle hält Wacht über den Hof mitten im Dorf. Stephan Kisters kommt - in Klompen und mit Strohhut - aus der Scheune. Seine Holzschuhe klappern über den Hof, er geht zum Hofladen. Dort gehen die Tüten mit Spargel kiloweise und im Takt tibetischer Gebetsmühlen über den Tisch; die Kundschaft packt sich Kartoffeln, Eier, Schinken in den Einkaufskorb. Eine Flasche Wein dazu? Im Hofladen steht alles für das Spargelmenü für zu Hause bereit. Bei Kaffee und Kuchen zulangen kann der Gast ein paar Schritte weiter in Kisters "Café Op de Deäl", Tische aus alten Wagenrädern, Holzstühle, selbstgebackener Kuchen, gemütlich, echt und ehrlich. Gegenüber dem Hof das Restaurant "Zum Mühlenhof", die Köstlichkeiten rund um das königliche Gemüse warten.

Und bei Kisters, um noch kurz auf dem Hof zu bleiben, gibt es allerdings noch mehr als Kulinarisches in Sachen Spargel: Stephan Kisters erzählt und erklärt - und das vor Ort: Feldführungen, Betriebsbesichtigung, Wissenswertes über Spargel, Einkehr in die Gastronomie vor Ort. Für interessierte Gäste haben Kisters ein schönes - und beliebtes, früh genug buchen! - Programm zusammengestellt. Da schmeckt es zum Schluss noch mal so gut. Und nach dem Essen? Ein "Spargeltröpfchen" vielleicht? Ein milder Kornbrannt ist dies, worin Spargel eingelegt ist. Vitamine und gesunde Inhaltsstoffe hat der Brannt aus dem Spargel gezogen, der Tropfen zergeht auf der Zunge, feiner, würziger Spargelgeschmack breitet sich im Mund aus.

Über Pflaster, durch den schmucken Ort, vorbei am empfehlenswerten "Posthotel Haus Deckers" und der Kirche, unter prächtigen Bäumen an der Straelener Straße. Der Rundkurs führt dann rechts in den Bosserweg und dann die zweite Straße wieder rechts in Richtung des Spargelhofs von Familie Janßen. Vier Hektar bewirtschaften Theo und Dirk Janßen mit dem edlen Gemüse; und Edles hat Anspruch! Der leichte Sandboden und das gute Grundwasser, das sei wichtig sagt Theo Janßen, für diesen feinen, süßen Geschmack des Walbecker Spargel.

Die Geschmäcker sind verschieden. Schmeckt besser als anderer gilt nicht! Wer aber den Geschmack des Walbecker Spargel schätzt, der sollte auch sicher sein, was er kauft. Eine eindeutige geographische Abgrenzung des Anbaugebietes für Spargel aus Walbeck ist geplant, der Begriff müsse geschützt werden, Sortenreinheit, die sei so wichtig. Da wisse man dann, was man hat. Erdkundler waren rund um Walbeck längst unterwegs, um in Sachen Bodenbeschaffenheit eine klare Einordnung zu erforschen.

Bei Janßens im Hofladen, wie auch anderswo auf den Walbecker Spargelhöfen, liegt also der von hier in den Kisten, der feine, süßliche Spargel. Und in den Regalen, noch so viel mehr was den Radler für ein kleines Picknick zufrieden zugreifen lässt: Gläser mit gekochtem Mett, Leberwurst oder Bauernfrühstück (im Dorf Brot kaufen!), Erdbeeren und Obst von den Nachbarhöfen. Der Rucksack füllt sich mit Köstlichkeiten. Und die viele, viele Arbeit, die getan werden muss, bis die weißen Stangen im Hofladen liegen, die ahnt der Reisende allenfalls.

Die Schälmaschine rattert und klackt, Ware frisch vom Acker muss gewaschen werden, durch die Sortieranlage vom Wert eines guten Mittelklassewagens sausen die Stangen unablässig. An so manchen Tagen, sagt Dirk Janßen beim Rundgang durch den Betrieb, müsse die ganze Familie halt sehr früh aufstehen, damit bis Feierabend der Spargel für alle Kunden reicht, "Wir machen das sehr gern!" So ist das hier in Walbeck, bei Janßens und auch anderswo: Landwirte aus Leidenschaft. Und so schmeckt´s dann auch.

Viel Arbeit bis das köstliche Gemüse im Hofladen liegt auch auf dem Spargelhof von Familie Allofs. Mit 30 Hektar Anbaufläche gehört der Hof von Franz-Peter Allofs zu den größeren Produzenten, allein 30 Mitarbeiter sind hier am Broecksteg im Norden Walbecks nur mit dem Sortieren, dem Schälen und dem Verkauf zuständig. 30 Hektar das sind, überschlagen, 14 Mal die Strecke des Rundkurses um Walbeck in Kilometer Damm: 150! Gestochen wird von fünf Uhr in der Früh bis abends um neun. Schwerste körperliche Arbeit, erinnert Franz-Peter Allofs während des Rundgangs über den Hof, gearbeitet werde auf dem Feld von daher im Vier-Stunden-Rhythmus, also bis zur verdienten Pause der Saisonkräfte. Erfahrene Kräfte schaffen 3500 bis 4000 Stangen pro Tag. So kommen in der Spargelzeit allein von Allofs Äckern 160 Tonnen Spargel - für den Großmarkt, Restaurants und Hofläden. Bei all der Schufterei, dem Akkord und den riesigen Mengen - eines ist ganz wichtig: die Feinmotorik der Spargelstecher, ohne sorgfältiges Arbeiten an der einzelnen Stange - und vorheriger intensiver Schulung - geht gar nichts. Und davon haben schließlich beide Seiten etwas, sagt Allofs.

Für seinen Hofladen hat Franz-Peter Allofs sich ein System ausgedacht, das dem Kunden einen sehr genauen Blick auf die unterschiedlichen Sortierungen der Stangen ermöglicht. Die Kisten stehen auf Rollen und können vom Kunden unter dem Tresen hervorgezogen werden. Nach der Wahl zieht die Verkäuferin diese zurück und entnimmt die Menge. Hier und heute steht die Kundschaft bis auf den Hof. Für Gruppen übrigens gibt es ein schönes Café, das nach Anmeldung für Kaffee und Kuchen öffnet.

Auch hier kommt das Gespräch schnell auf den süßlichen Geschmack des Walbecker Spargels, auf die hervorragende Beschaffenheit des Sandbodens mit seiner günstigen Mineralisierung und einer geologischen Überprüfung. Zum Schluss hat Franz-Peter Allofs noch einen Tipp für zu Hause parat: gleichmäßig große Stangen zusammen mit etwas Butter und Gemüsebrühe in Alufolie wickeln und für 30 Minuten bei 180 Grad in den Backofen - " . . . ein so intensives Aroma, das glauben Sie gar nicht!" Nachmachen. Spargel, das können die Landwirte hier in Walbeck!